Whisky Ardbeg – Die Legende von Islay
An der rauen Südküste der schottischen Insel Islay, umtost vom Atlantik, liegt die wohl berühmteste Whiskybrennerei der Welt: Ardbeg. Der Name leitet sich vom Gälischen „An Àird Bheag“ ab, was übersetzt „die kleine Anhöhe“ bedeutet – eine Bezeichnung, die kaum erahnen lässt, welch gewaltigen Einfluss diese Destillerie auf die Welt des Single Malts haben sollte.
Die Ursprünge von Ardbeg reichen bis ins Jahr 1794 zurück, als auf dem Gelände noch im Verborgenen gebrannt wurde. Die legale Brennerei wurde schließlich 1815 von John Macdougall gegründet. Die Familie Macdougall führte das Unternehmen bis 1959, als Alexander Macdougall, der letzte direkte Nachfahre, die Destillerie an die Distillers Company Limited (DCL) verkaufte. Es folgten wechselvolle Jahrzehnte mit mehreren Eigentümerwechseln. Gleich zweimal, 1981 und 1996, musste die Produktion eingestellt werden – Schicksalsschläge, die die Brennerei an den Rand des Vergessens brachten. Die Rettung kam 1997 durch die Übernahme von Glenmorangie, das 2004 seinerseits an den Luxuskonzern LVMH überging.
Was Ardbeg von allen anderen Islay-Malts unterscheidet, ist sein kompromissloser Charakter. Mit einem Phenolgehalt von 50 ppm ist Ardbeg der rauchigste aller Islay-Single-Malts. Das Wasser für die Produktion stammt aus dem drei Meilen oberhalb der Brennerei gelegenen Loch Uigeadail, während das Malz in der hauseigenen Mälzerei in Port Ellen getorft wird. Die lange Fermentation in Gärbottichen aus Oregon-Kiefer verleiht dem Whisky zusätzliche Komplexität. Die doppelte Destillation in den kupfernen Brennblasen rundet das Profil ab. Das Ergebnis sind Whiskys von unverwechselbarem Charakter: intensive Torfnoten, maritime Salzigkeit und eine überraschende Süße von Zitrusfrüchten und Vanille.
Heute hat sich Ardbeg längst seinen Platz im Olymp der Whiskydestillerien zurückerobert. Die Core Range umfasst den legendären 10-jährigen, den An Oa, den Uigeadail und den Corryvreckan. Die Spezialabfüllungen der „Committee“- und „Day“-Serien erzielen bei Sammlern Höchstpreise. Der Ardbeg 1975 aus dem Jahr 2004 wurde sogar zum „Whisky of the Year“ gekürt. Der treue Fanclub des „Ardbeg Committee“ hat weltweit Tausende Mitglieder. Mit der neuen Destillerie, der Besuchererweiterung und dem ungebrochenen Drang nach Perfektion bleibt Ardbeg ein lebendiges Zeugnis dafür, wie aus einer fast vergessenen Brennerei der unangefochtene König der Islay-Whiskys werden konnte. Ardbeg ist nicht nur ein Whisky – es ist ein Erlebnis, das die raue Schönheit Islays in jedem Tropfen einfängt.
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