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R. Lopez de Heredia – Der zeitlose Traditionalist der Rioja

Die Bodegas R. López de Heredia in Haro, der mythischen Hauptstadt der Rioja Alta, sind das vielleicht ungewöhnlichste Weingut Spaniens. Gegründet wurde es im Jahr 1877 als erstes Weingut in Haro von Don Rafael López de Heredia y Landeta. Damals suchten französische Negociants, deren Weinberge von der Reblaus-Epidemie dezimiert waren, in La Rioja nach hochwertigen Trauben – und fanden in Don Rafael einen enthusiastischen und sachkundigen Schüler der Kunst der Weinerzeugung. Die von ihm errichtete „Kathedrale des Weins“ mit ihrem Labyrinth an Gängen, Treppen und Kellergewölben verströmt noch heute den Geist ihres Gründers.

Während um das Weingut herum eine Weinrevolution mit neuester Kellertechnik und stark geflämmten Barriques Einzug hielt, sind bei López de Heredia die Uhren genau so langsam gelaufen wie immer. Die Familie ist den Traditionen treu geblieben, die die Rioja einst berühmt gemacht haben. Ihre Weine, deren bekannteste die Viña Tondonia Reserva rot und weiß sind, galten immer als das Maß aller Dinge, was klassische Weinstile betrifft.

Das Weingut bewirtschaftet ausschließlich eigene Weinberge auf einer Fläche von 170 Hektar. Das Herzstück ist der mehr als 100 Hektar große Weinberg Viña Tondonia, den Don Rafael in den Jahren 1913-14 am rechten Ufer des Ebro anlegte. Hinzu kommen die Weinberge Viña Cubillo, Viña Bosconia und Viña Zaconia. Die Rebstöcke sind bis zu 100 Jahre alt und bringen Trauben von bemerkenswerter Tiefe und Komplexität hervor. Die Rotweine werden aus Tempranillo, Garnacha, Mazuelo und Graciano gekeltert, die Weißen aus Viura und Malvasía.

Die Weinphilosophie von López de Heredia ist kompromisslos traditionell. Die Familie hat nie auf chemische Behandlungen zurückgegriffen. Im Keller findet man keinen einzigen Stahltank, dafür große, alte Holzbottiche, in denen die Weine vergären. Der Ausbau erfolgt in amerikanischen Eichenfässern, die zuvor drei Jahre lang gelagert werden, um einen sanften Reifeprozess zu gewährleisten. Die Weine reifen weitaus länger als gesetzlich vorgeschrieben – die Viña Tondonia Gran Reserva beispielsweise neun Jahre im Fass und weitere zehn oder mehr Jahre auf der Flasche. Sie werden erst dann verkauft, wenn sie nach Meinung der Familie den richtigen Grad an Finesse entwickelt haben. R. López de Heredia vinifiziert Wein im Gegensatz zu den heutigen marktwirtschaftlichen Tendenzen – und ist damit trotzdem erfolgreich.