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Mannochmore – Das stille Arbeitspferd der Speyside

Die Mannochmore Distillery nahe Elgin in der schottischen Speyside ist eine der jüngeren Brennereien Schottlands. Erbaut wurde sie 1971 von John Haig & Co. im Auftrag der Distillers Company Limited. Der Standort war dabei bewusst pragmatisch gewählt: Mannochmore entstand direkt auf dem Gelände der benachbarten Glenlossie Distillery, mit der sie fortan eine enge Symbiose einging. Über Jahre teilten sich die Brennereien nicht nur das Gelände, sondern auch die Belegschaft, die im Wechsel sechs Monate in der einen und sechs Monate in der anderen Destillerie arbeitete.

Die Geschichte von Mannochmore ist geprägt von wirtschaftlichen Zwängen. Die Brennerei wurde als reines „Arbeitspferd“ konzipiert, um Malzwhisky für die berühmten Blends von Haig und Dimple zu liefern. Schon 1985, während der schweren Whisky-Krise, musste sie aufgrund eines Überangebots am Markt geschlossen werden. Erst 1989 erfolgte die Wiedereröffnung unter der neuen Eigentümerin United Distillers, dem späteren Diageo. Es folgten weitere kurze Stilllegungen in den 1990er Jahren, bevor die Produktion ab 2007 wieder ganzjährig laufen konnte.

Lange Zeit wurde der Whisky von Mannochmore fast ausschließlich für Blends verwendet. Erst 1992, mit der Markteinführung der berühmten Flora-&-Fauna-Serie, kam die erste offizielle Single-Malt-Abfüllung auf den Markt: der 12-jährige Mannochmore. Dieser Speyside Malt besticht durch einen leichten, blumigen und überraschend trockenen Charakter mit Noten von Zitrusfrüchten, Malz und Vanille.

Berüchtigt wurde die Brennerei in den 1990er Jahren durch den „Loch Dhu“ – einen fast schwarzen Whisky, dessen Name aus dem Gälischen übersetzt „schwarzer See“ bedeutet. Die fast undurchsichtige Farbe entstand durch eine doppelte Auskohlung der Fässer. Der Geschmack war ebenso ungewöhnlich wie die Farbe, und der Whisky wurde schnell wieder vom Markt genommen – heute ist er eine begehrte Rarität.

Heute gehört Mannochmore zum Weltkonzern Diageo. Mit einer jährlichen Produktionskapazität von bis zu sechs Millionen Litern und acht Brennblasen ist sie ein stiller, aber unverzichtbarer Bestandteil des Diageo-Imperiums. Die Brennerei hat kein Besucherzentrum und ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich – sie bleibt ein faszinierender Geheimtipp für Kenner, die den unverwechselbaren Charakter dieses leichten, aber robusten Speyside Malts schätzen.