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„Stillgelegt, aber unvergessen: Die zeitlosen Schätze aus dem Keller von Schloss Eltz“

Das Weingut Schloss Eltz im Rheingau ist längst mehr als nur ein ehemaliger Weinproduzent – es ist das lebendige Gedächtnis einer ganzen Region. Obwohl der Betrieb bereits in den 1970er Jahren eingestellt wurde, hütet die Familie Grafen zu Eltz bis heute einen einzigartigen Schatz: mehrere tausend Flaschen Riesling aus den besten Jahrgängen des 20. Jahrhunderts. Damit bewahrt sie das Erbe eines Weinguts, das einst zu den legendärsten Namen des Rheingaus zählte.

Die Wurzeln der Familie reichen über 800 Jahre in die deutsche Geschichte zurück. Seit 1794 hat sie ihren Stammsitz im Eltzer Hof in Eltville am Rhein. Unter der Leitung von Johann Jakob Graf zu Eltz, einem studierten Landwirt, erlangte das Weingut mit 140 Morgen Rebfläche und vier Staatsehrenpreisen seinen Spitzenruhm. In der Nachkriegszeit bis in die 1970er Jahre zählte Schloss Eltz neben Größen wie Schloss Johannisberg und Schloss Vollrads zu den bekanntesten Erzeugern der Region.

Doch das Ende des aktiven Weinbaus war nicht das Ende der Weine. Bei einer denkwürdigen Verkostung im Jahr 2010, anlässlich des Internationalen Riesling-Symposiums, luden Sophie Gräfin und Karl Graf zu Eltz zu einer Probe aus acht Jahrzehnten. Die alten Flaschen, darunter edelsüße Raritäten wie Beerenauslesen und Eisweine, aber auch durchgegorene Kabinett-Rieslinge, präsentierten sich in erstaunlicher Frische. Der älteste Tropfen, ein 1947er Eltviller Mönchhanach Riesling Kabinett, war mit 69 Jahren kein bisschen müde und beeindruckte mit hellgoldener Farbe und wunderbarer Länge. Bei einer 1962er Trockenbeerenauslese erhoben sich die Anwesenden gar feierlich, um ihrer Wertschätzung Ausdruck zu verleihen.

Die Verkostung zeichnete ein Bild des Rheingauer Rieslings, das von Finesse, Tiefe und Eleganz geprägt ist – Eigenschaften, die heute oft gesucht werden. Einige der damaligen Lagen existieren längst nicht mehr, sie mussten Straßen oder Siedlungen weichen. So sind die Weine von Schloss Eltz heute stille Zeugen einer untergegangenen Weinwelt und kostbare Relikte einer Ära, in der der Rheingau seinen unvergesslichen Stil prägte.