Weingut Hof St. Johannes - Rauenthaler Langenstück Riesling Spätlese 1990
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Produktinformationen
Weingut Hof St. Johannes – Rauenthaler Langenstück Riesling Spätlese 1990: Ein stilles Denkmal der Rheingauer Spätlese-Kunst im Zenit
Es gibt Weinflaschen, die sind weniger ein Getränk als vielmehr ein historisches Dokument – ein flüssiger Zeuge einer vergangenen Ära, in der der deutsche Riesling an der Schwelle zur Weltspitze stand und die Kunst der Spätlese-Bereitung in ihrer reinsten Form zelebrierte. Die Flasche, die hier besprochen wird – ein Rauenthaler Langenstück Riesling Spätlese aus dem Jahrgang 1990, hervorgebracht vom Weingut Hof St. Johannes in Eltville-Rauenthal –, ist genau solch ein Relikt. Sie stammt aus einer der historischen Weinbergslagen des Rheingaus, aus der Hand eines Familienweinguts, das seit fünf Generationen in Rauenthal verwurzelt ist, und aus einem Jahrgang, der weithin als großartig und als einer der bedeutendsten des Jahrzehnts gilt. Eine Flasche dieses Weins heute zu verkosten, ist keine gewöhnliche Begegnung mit einem deutschen Weißwein, sondern eine Reise in die stille Größe einer Lage, die seit dem 15. Jahrhundert urkundlich erwähnt ist, und in einen Wein, der die Zeit nicht nur überdauert, sondern in seiner Komplexität und Balance zu schweben scheint.
Das Weingut: Eine Familienchronik seit fünf Generationen
Um diesen Wein zu verstehen, muss man zunächst das Weingut verstehen, aus dem er stammt. Das Weingut Hof St. Johannes in der Hauptstraße 33 in Rauenthal wird seit fünf Generationen von der Familie Wagner geführt. Die Geschichte des heutigen Gutsgebäudes reicht bis ins Jahr 1962 zurück, als die Familie es bezog. Einer der Begründer, Karl Johannes Wagner, begann bereits 1938 – für damalige Verhältnisse sehr früh –, die Eigenerzeugnisse direkt vom Gutshof zu verkaufen. Der Winzer Anton Josef Wagner sen. schloss 1961 sein Weinbaustudium in Bad Kreuznach als Weinbau-Ingenieur ab und sammelte Erfahrungen in der Schweiz sowie bei den Staatsweingütern Meersburg am Bodensee, bevor er das Weingut von seinen Eltern übernahm und 1979 gemeinsam mit seiner Frau den Gutsausschank unter dem Namen „Hof St. Johannes“ eröffnete. Heute führt der jüngste Sohn, Anton Josef Wagner jun., den Weinbaubetrieb. Auf einer Fläche von 9 bis 12 Hektar werden neben den klassischen Rebsorten der Region – Riesling und Spätburgunder – auch Grauburgunder, Rivaner, Chardonnay, Schwarzriesling, Regent und Cabernet Mitos angebaut. Das Weingut ist kein lauter, marketinggetriebener Betrieb, sondern ein bodenständiges Familienunternehmen, dessen Weine vor allem eines sind: ehrlich, terroirgeprägt und auf Langlebigkeit angelegt.
Der Rauenthaler Langenstück: Eine historische Lage mit Phyllit und Löss
Das Herzstück des hier besprochenen Weins ist die Lage Rauenthaler Langenstück, eine Weinbergslage im Rheingau, die bereits im 15. Jahrhundert unter dem Namen „Langenstuck“ urkundlich erwähnt wurde – der Name leitet sich von der länglichen Form des Geländes ab. Die Lage beginnt am westlichen Fuß des Rauenthaler Bergs und umgibt in mehreren Terrassen die beiden Einzellagen Baiken und Gehrn sowie Teile des Ortes Rauenthal. Die Weinberge sind nach Südwesten ausgerichtet und weisen eine Neigung von 10 bis 35 Prozent auf. Die Böden setzen sich hauptsächlich aus Phyllit mit vulkanischen Anteilen sowie Löss, Ton und Mergel zusammen, die auch in trockenen Jahren eine gute Wasserversorgung gewährleisten. Diese Mischung aus kargem, mineralischem Gestein und wasserspeicherndem Löss verleiht den Weinen eine seltene Dualität: eine mineralische Prägung und eine feine Balance aus Wärme und Struktur bei gleichzeitig guter Wasserversorgung der Reben. Rauenthal selbst ist mit 255 Metern der höchstgelegene Weinbauort im Rheingau – eine Höhenlage, die für kühle Nächte und eine langsame, aromatische Reifung sorgt. Die regionale Beschreibung verbindet Weine aus dem Langenstück mit einer feinen Säure, die ihnen eine beeindruckende Struktur und ein langes Lagerpotenzial verleiht.
Der Jahrgang 1990: Ein großer Rheingauer Jahrgang
Das Weinjahr 1990 war im Rheingau ein Jahrgang, der von Kennern und Kritikern als „großartig“ eingestuft wird. Die Witterungsbedingungen im Sommer und Herbst 1990 ermöglichten eine Reifung der Trauben, die Weine von bemerkenswerter Konzentration, Struktur und Langlebigkeit hervorbrachte. Auktionslots von 1990er Rheingauer Rieslingen – etwa aus dem Kiedricher Sandgrub oder dem Rüdesheimer Berg Rottland – belegen, dass diese Weine auch nach Jahrzehnten noch in bemerkenswertem Zustand gehandelt werden und als „expertly aged, mature Riesling“ geschätzt werden. Zeitgenössische Verkostungsnotizen zu 1990er Rheingauer Weinen heben ihre Fruchtkonzentration, ihre reife Säurestruktur und ihre Fähigkeit, über Jahrzehnte zu reifen, hervor. Der Jahrgang 1990 war kein „Jahrhundertjahrgang“ im Sinne einer extremen Opulenz, aber ein großartiges, klassisches Jahr, das bei guter Arbeit im Keller Weine von außergewöhnlicher Balance und Tiefe hervorbrachte – und der Rauenthaler Langenstück mit seiner kühlen, steilen Lage und seinem mineralischen Boden war prädestiniert dafür, die Stärken dieses Jahrgangs in besonderer Weise zur Geltung zu bringen.
Die Stilistik: Spätlese – die Kunst der reifen Balance
Die hier besprochene Abfüllung ist eine Spätlese – die Prädikatsstufe, die aus vollreifen Trauben einer späten Lese gekeltert wird und deren Mostgewicht deutlich über dem eines Kabinetts liegt. Eine Spätlese aus dem Rauenthaler Langenstück ist kein Wein der opulenten, sirupartigen Süße, sondern ein Wein der reifen Balance und der aromatischen Tiefe. Die Weine dieser Lage zeigen ihre große Finesse in einer feinen Säure, die ihnen eine beeindruckende Struktur und ein langes Lagerpotenzial verleiht. Die Lösslehme im Boden des Langenstücks sorgen dafür, dass die Trauben trotz der späten Lese und der damit verbundenen Reife eine bemerkenswerte Saftigkeit und aromatische Klarheit bewahren – eine Eigenschaft, die große Rheingauer Spätlesen von den schwereren, breiteren Weinen anderer Regionen unterscheidet. Ein Spätlese aus dieser Lage ist also kein Wein, der durch Kraft oder Opulenz besticht, sondern durch Präzision, Kühle und eine elegante Struktur, die in einem großen Jahrgang wie 1990 in besonderer Weise zur Geltung kommt.
Das sensorische Erlebnis: Ein gereifter Schatz von großer Tiefe und Ruhe
Eine Flasche dieses Weins heute, über drei Jahrzehnte nach der Ernte, zu verkosten, ist ein Erlebnis von seltener Tiefe und Wandelbarkeit. Die Farbe dürfte – wie bei gereiften Rheingauer Rieslingen üblich – ein tiefes Goldgelb mit bernsteinfarbenen Reflexen zeigen, ein visuelles Zeugnis seiner langen Reifung. Die Nase ist das erste große Ereignis dieses Weins. Sie wird von den für den Langenstück typischen tertiären Aromen dominiert sein: Petrol, Bienenwachs, Honigwabe und geröstete Mandeln, unterlegt von einer reifen, eingekochten Fruchtigkeit nach Aprikosenkonfitüre, Mirabellen und einem Hauch von kandierter Zitrone. Die für die Lage so charakteristische mineralische Note von Feuerstein und nassem Schiefer schimmert als kühler, salziger Unterton durch und verankert den Wein in seinem Terroir. Mit etwas Luft im Glas können sich feine Gewürznoten von Ingwer und einer dezenten Rauchigkeit hinzugesellen – Aromen, die für große, gereifte Rheingauer Rieslinge typisch sind.
Am Gaumen dürfte der Wein einen mittleren Körper und eine seidige, fast samtige Textur zeigen, die für eine gereifte Spätlese charakteristisch ist. Die Säure ist noch immer lebendig und verleiht dem Wein eine bemerkenswerte Frische und Länge, die ihn vor jeglicher Schwere bewahrt – ein Erbe der kühlen, steilen Lage und des großen Jahrgangs 1990. Die Restsüße ist vollständig in die Struktur integriert und wirkt als geschmeidige, wärmende Komponente, nicht als dominante Süße. Die Aromen der Nase wiederholen sich am Gaumen mit großer Präzision: reife Steinobstfrüchte, Honig, Petrol und eine feine mineralische Salzigkeit verschmelzen zu einem harmonischen Ganzen. Der Abgang ist lang und nachhaltig, mit einem sauberen Nachhall von Frucht, Mineralität und einer subtilen Würze. Diese Länge und Reinheit im Abgang sind das Zeichen eines Weins, der mit Sorgfalt und Geduld vinifiziert wurde und der seine Herkunft und seinen Jahrgang in jeder Nuance widerspiegelt.
Trinkreife und Servierung: Ein Wein auf dem Höhepunkt seiner Entwicklung
Die Frage nach der Trinkreife einer über dreißig Jahre alten Spätlese ist von besonderer Bedeutung. Der Wein hat zweifellos seine jugendliche Frucht hinter sich gelassen und befindet sich in einer Phase der vollständigen Reife, in der die tertiären Aromen dominieren. Die Struktur – die Kombination aus lebendiger Säure und integrierter Restsüße – lässt erwarten, dass der Wein noch einige Jahre auf hohem Niveau genießen werden kann, doch eine weitere Verbesserung ist nicht mehr zu erwarten. Wer das Glück hat, eine gut gelagerte Flasche zu besitzen, sollte sie daher in den kommenden Jahren öffnen, um sie in ihrer aktuellen, komplexen Pracht zu erleben. Die Empfehlung zur Servierung ist eindeutig: Der Wein sollte bei einer Temperatur von 8 bis 10 Grad Celsius serviert werden, um seine feinen Aromen und seine lebendige Säure optimal zur Geltung zu bringen. Er ist ein perfekter Begleiter zu feinen Fischgerichten, Meeresfrüchten, hellem Fleisch und gereiftem Hartkäse – und er ist ein Wein, der es verdient, auch pur und mit Ruhe genossen zu werden, als Meditation über die Zeit und die ungebrochene Kraft eines großen Terroirs.
Fazit: Die stille Größe einer fast vergessenen Spätlese
Der Weingut Hof St. Johannes Rauenthaler Langenstück Riesling Spätlese 1990 ist kein Wein, der im Rampenlicht steht. Er ist kein Große Gewächs im heutigen, marketinggeprägten Sinne, und er wird nicht in jedem Weinmagazin als Legende gefeiert. Und doch verkörpert er eine Tugend, die in der heutigen Weinwelt oft übersehen wird: die stille, beständige Größe eines Weins, der aus einer der historisch bedeutendsten Lagen des Rheingaus, der beharrlichen Handwerkskunst eines Familienweinguts mit fünfjähriger Tradition und einem großen, langlebigen Jahrgang hervorgegangen ist. Er erinnert uns daran, dass wahre Klasse sich nicht immer in spektakulärer Opulenz oder einem berühmten Namen ausdrückt, sondern oft in der Fähigkeit, unter den Bedingungen der Zeit eine eigene, subtile und zutiefst befriedigende Persönlichkeit zu entwickeln. In seiner Bescheidenheit liegt seine Größe – ein stiller Triumph der Beständigkeit und ein würdiger Botschafter des Rauenthaler Langenstücks, des Rheingaus und der jahrzehntelangen Tradition des Weinguts Hof St. Johannes.
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Jahrgang: | 1988 |
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Farbe: | weiss |
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Erzeuger: | Hof St. Johannes Weingut |
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Land: | Deutschland |
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Produktart: | Wein |
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Weinart: | Weisswein |
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Region: | Rheingau |
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Geschmack: | süss |
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Rebsorte: | Riesling |
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Alkohol: | 10 |
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Füllmenge: | 750 ml |
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Allergene: Sulfite
Abfüller: Erzeuger