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Produktinformationen

Weingut Hof St. Johannes – Rauenthaler Gehrn Riesling Spätlese 1983: Ein stilles Denkmal der Rheingauer Spätlese-Kunst

Es gibt Weinflaschen, die sind weniger ein Getränk als vielmehr ein historisches Dokument – ein flüssiger Zeuge einer vergangenen Ära, in der der deutsche Riesling an der Schwelle zur Weltspitze stand und die Kunst der Spätlese-Bereitung in ihrer reinsten Form zelebrierte. Die Flasche, die hier besprochen wird – ein Rauenthaler Gehrn Riesling Spätlese aus dem Jahrgang 1983, hervorgebracht vom Weingut Hof St. Johannes in Eltville-Rauenthal –, ist genau solch ein Relikt. Sie stammt aus einer der historischen Weinbergslagen des Rheingaus, aus der Hand eines Familienweinguts, das seit fünf Generationen in Rauenthal verwurzelt ist, und aus einem Jahrgang, den das Fachblatt Decanter als „excellent vintage“ bezeichnete, der „Weine mit guter Balance und Konzentration“ hervorbrachte. Eine Flasche dieses Weins heute zu verkosten, ist keine gewöhnliche Begegnung mit einem deutschen Weißwein, sondern eine Reise in die stille Größe einer Lage, die seit Jahrhunderten zu den klassifizierten Weinbergen des Rheingaus zählt, und in einen Wein, der die Zeit nicht nur überdauert, sondern ihr zu trotzen scheint.

Das Weingut: Eine Familienchronik seit fünf Generationen

Um diesen Wein zu verstehen, muss man zunächst das Weingut verstehen, aus dem er stammt. Das Weingut Hof St. Johannes in der Hauptstraße 33 in Rauenthal wird seit fünf Generationen von der Familie Wagner geführt. Die Geschichte des heutigen Gutsgebäudes reicht bis ins Jahr 1962 zurück, als die Familie es bezog. Doch die Wurzeln des Weinbaus reichen weiter: Einer der Begründer, Karl Johannes Wagner, begann bereits 1938 – für damalige Verhältnisse sehr früh –, die Eigenerzeugnisse direkt vom Gutshof zu verkaufen, und der Flaschenweinverkauf blieb bis Ende der 1970er Jahre das Standbein des Betriebs. Der Winzer Anton Josef Wagner sen. schloss 1961 sein Weinbaustudium in Bad Kreuznach als Weinbau-Ingenieur ab und sammelte Erfahrungen in der Schweiz sowie bei den Staatsweingütern Meersburg am Bodensee, bevor er das Weingut von seinen Eltern übernahm und 1979 gemeinsam mit seiner Frau den Gutsausschank unter dem Namen „Hof St. Johannes“ eröffnete. Heute führt der jüngste Sohn, Anton Josef Wagner jun., den Weinbaubetrieb; er absolvierte seine Ausbildung bei den Staatsweingütern Eltville sowie an der staatlichen Weinbauschule in Geisenheim. Auf einer Fläche von rund 12 Hektar werden neben den klassischen Rebsorten der Region – Riesling und Spätburgunder – auch Grauburgunder, Rivaner, Chardonnay, Schwarzriesling, Regent und Cabernet Mitos angebaut. Das Weingut ist kein lauter, marketinggetriebener Betrieb, sondern ein bodenständiges Familienunternehmen, dessen Weine vor allem eines sind: ehrlich, terroirgeprägt und auf Langlebigkeit angelegt. Die Weinberge des Hof St. Johannes liegen in den Rauenthaler Lagen Gehrn, Wülfen, Rothenberg und am Eltviller Taubenberg – eine Parzellenvielfalt, die dem Winzer erlaubt, die Eigenheiten jeder Lage in separaten Abfüllungen zu bewahren.

Der Rauenthaler Gehrn: Eine klassifizierte Lage mit Phyllit und Lösslehm

Das Herzstück des hier besprochenen Weins ist die Lage Rauenthaler Gehrn, eine Weinbergslage im Rheingau, die nördlich von Eltville am Rhein liegt, östlich von Kiedrich, westlich von Martinsthal und südwestlich von Rauenthal, in mittlerer Höhe am Südhang der Bubenhäuser Höhe. Der Name „Gehrn“ verweist auf die keilförmige Gestalt der Lage, die an die Spitze eines Wurfspießes erinnert – das althochdeutsche „Ger“ bedeutet „Speer“. Die Lage ist erstmals 1688 unter dem Namen „ufm Giren“ urkundlich erwähnt. Gemeinsam mit zwölf weiteren Lagen zählt der Gehrn zu den Weinbergen I. Klasse, deren Klassifizierung bereits 1867 in Friedrich Wilhelm Dünkelbergs Werk Der nassauische Weinbau beschrieben wurde – eine historische Einstufung, die die herausragende Qualität dieses Terroirs seit über 150 Jahren belegt. Heute ist der Gehrn als VDP.ERSTE LAGE® klassifiziert.

Die Topografie der Lage ist für den Riesling ideal: Der Hang ist nach Süden ausgerichtet, liegt auf etwa 150 bis 180 Metern über dem Meeresspiegel und erreicht eine Neigung von bis zu 55 Prozent. Diese steile, sonnenverwöhnte Exposition ermöglicht eine optimale Reifung der Trauben, während die Höhenlage – ähnlich wie beim benachbarten Rothenberg – für kühlere Nächte sorgt, die die Säure und die filigrane Aromatik des Rieslings bewahren. Die Böden sind außergewöhnlich vielfältig: mittel- und tiefgründige Phyllitböden, kleinere Flächen aus Serizitgneis sowie tiefgründige Lösslehme. Diese Mischung aus kargem, mineralischem Schiefer und wasserspeicherndem Löss verleiht den Weinen eine seltene Dualität: elegant-mineralische Säure und eine besondere Aromatik bei gleichzeitig guter Wasser- und Nährstoffversorgung der Reben, die auch in trockeneren Jahren für ausgewogene Reife sorgt. Die klassifizierte Rebfläche umfasst 16,24 Hektar, und die klassifizierte Rebsorte ist Riesling. Die regionale Beschreibung verbindet Weine aus dem Gehrn mit einem ausgewogenen Verhältnis von Säure und Aromen sowie einem guten Reifepotenzial – eine Charakterisierung, die die außergewöhnliche Langlebigkeit dieser Spätlese erklärt.

Der Jahrgang 1983: Ein „excellent vintage“ mit Balance und Konzentration

Das Weinjahr 1983 war im Rheingau ein Jahrgang, der von der Fachwelt als „excellent vintage“ eingestuft wird – ein Urteil, das Decanter mit vier von fünf Sternen untermauerte und mit den Worten „Weine mit guter Balance und Konzentration“ beschrieb. Die Witterungsbedingungen im Sommer und Herbst 1983 ermöglichten eine langsame, gleichmäßige Reifung der Trauben, die eine lebendige, frische Säure und eine feine, strukturierte Aromatik bewahrten. Der Jahrgang brachte im Rheingau Weine hervor, die für ihren stählernen Charakter und ihre hohe Säure bekannt sind – Eigenschaften, die sie für eine lange Reifung in der Flasche prädestinierten. Zeitgenössische Auktionslots von 1983er Rheingauer Spätlesen – etwa aus dem Rauenthaler Baiken – belegen, dass diese Weine auch nach Jahrzehnten noch in bemerkenswertem Zustand gehandelt werden und als „expertly aged, mature Riesling“ geschätzt werden. Der Jahrgang 1983 war kein „Jahrhundertjahrgang“ wie 1959 oder 1990, aber ein solides, klassisches Jahr, das bei guter Arbeit im Keller durchaus respektable und langlebige Weine hervorbrachte – und der Rauenthaler Gehrn mit seiner kühlen, steilen Lage und seinem mineralischen Boden war prädestiniert dafür, die Stärken dieses Jahrgangs in besonderer Weise zur Geltung zu bringen.

Die Stilistik: Spätlese – die Kunst der reifen Balance

Die hier besprochene Abfüllung ist eine Spätlese – die Prädikatsstufe, die aus vollreifen Trauben einer späten Lese gekeltert wird und deren Mostgewicht deutlich über dem eines Kabinetts liegt. Eine Spätlese aus dem Rauenthaler Gehrn ist kein Wein der opulenten, sirupartigen Süße, sondern ein Wein der reifen Balance und der aromatischen Tiefe. Die Weine dieser Lage zeigen ihre große Finesse in einer elegant-mineralischen Säure und einer besonderen Aromatik, die durch die Restsüße der Spätlese eine zusätzliche Dimension der Fülle und Wärme erhält, ohne dabei ihre Frische oder ihre Struktur zu verlieren. Ein Spätlese aus dieser Lage ist also kein Wein, der durch Kraft oder Opulenz besticht, sondern durch Präzision, Kühle und eine fast schon schnittige Eleganz, die in einem Jahrgang wie 1983 mit seiner ausgeprägten Säure in besonderer Weise zur Geltung kommt. Die Lösslehme im Boden des Gehrn sorgen dafür, dass die Trauben trotz der späten Lese und der damit verbundenen Reife eine bemerkenswerte Saftigkeit und aromatische Klarheit bewahren – eine Eigenschaft, die große Rheingauer Spätlesen von den schwereren, breiteren Weinen anderer Regionen unterscheidet.

Das sensorische Erlebnis: Ein gereifter Schatz von großer Tiefe und Ruhe

Eine Flasche dieses Weins heute, über vier Jahrzehnte nach der Ernte, zu verkosten, ist ein Erlebnis von seltener Tiefe und Wandelbarkeit. Die Farbe dürfte – wie bei gereiften Rheingauer Rieslingen üblich – ein tiefes Goldgelb mit bernsteinfarbenen Reflexen zeigen, ein visuelles Zeugnis seiner langen Reifung. Die Nase ist das erste große Ereignis dieses Weins. Sie wird von den für den Gehrn typischen tertiären Aromen dominiert sein: Petrol, Bienenwachs, Honigwabe und geröstete Mandeln, unterlegt von einer reifen, eingekochten Fruchtigkeit nach Aprikosenkonfitüre, Mirabellen und einem Hauch von Quitte. Die für die Lage so charakteristische mineralische Note von Feuerstein und nassem Schiefer schimmert als kühler, salziger Unterton durch und verankert den Wein in seinem Terroir. Mit etwas Luft im Glas können sich feine Gewürznoten von Ingwer und einer dezenten Rauchigkeit hinzugesellen – Aromen, die für große, gereifte Rheingauer Rieslinge typisch sind.

Am Gaumen dürfte der Wein einen mittleren Körper und eine seidige, fast samtige Textur zeigen, die für eine gereifte Spätlese charakteristisch ist. Die Säure ist noch immer lebendig und verleiht dem Wein eine bemerkenswerte Frische und Länge, die ihn vor jeglicher Schwere bewahrt – ein Erbe der kühlen, steilen Lage und des säurebetonten Jahrgangs 1983. Die Restsüße ist vollständig in die Struktur integriert und wirkt als geschmeidige, wärmende Komponente, nicht als dominante Süße. Die Aromen der Nase wiederholen sich am Gaumen mit großer Präzision: reife Steinobstfrüchte, Honig, Petrol und eine feine mineralische Salzigkeit verschmelzen zu einem harmonischen Ganzen. Der Abgang ist lang und nachhaltig, mit einem sauberen Nachhall von Frucht, Mineralität und einer subtilen Würze. Diese Länge und Reinheit im Abgang sind das Zeichen eines Weins, der mit Sorgfalt und Geduld vinifiziert wurde und der seine Herkunft und seinen Jahrgang in jeder Nuance widerspiegelt.

Trinkreife und Servierung: Ein Wein am Scheideweg

Die Frage nach der Trinkreife einer über vierzig Jahre alten Spätlese ist von besonderer Bedeutung. Der Wein hat zweifellos seine jugendliche Frucht hinter sich gelassen und befindet sich in einer Phase der vollständigen Reife, in der die tertiären Aromen dominieren. Die Struktur – die Kombination aus lebendiger Säure und integrierter Restsüße – lässt erwarten, dass der Wein noch einige Jahre auf hohem Niveau genießen werden kann, doch eine weitere Verbesserung ist nicht mehr zu erwarten. Wer das Glück hat, eine gut gelagerte Flasche zu besitzen, sollte sie daher in den kommenden Jahren öffnen, um sie in ihrer aktuellen, komplexen Pracht zu erleben. Die Empfehlung zur Servierung ist eindeutig: Der Wein sollte bei einer Temperatur von 8 bis 10 Grad Celsius serviert werden, um seine feinen Aromen und seine lebendige Säure optimal zur Geltung zu bringen. Er ist ein perfekter Begleiter zu feinen Fischgerichten, Meeresfrüchten, hellem Fleisch und gereiftem Hartkäse – und er ist ein Wein, der es verdient, auch pur und mit Ruhe genossen zu werden, als Meditation über die Zeit und die ungebrochene Kraft eines großen Terroirs.

Fazit: Die stille Größe einer fast vergessenen Spätlese

Der Weingut Hof St. Johannes Rauenthaler Gehrn Riesling Spätlese 1983 ist kein Wein, der im Rampenlicht steht. Er ist kein Große Gewächs im heutigen, marketinggeprägten Sinne, und er wird nicht in jedem Weinmagazin als Legende gefeiert. Und doch verkörpert er eine Tugend, die in der heutigen Weinwelt oft übersehen wird: die stille, beständige Größe eines Weins, der aus einer der historisch klassifizierten Lagen des Rheingaus, der beharrlichen Handwerkskunst eines Familienweinguts mit fünfjähriger Tradition und einem von Decanter als „excellent“ eingestuften Jahrgang hervorgegangen ist. Er erinnert uns daran, dass wahre Klasse sich nicht immer in spektakulärer Opulenz oder einem berühmten Namen ausdrückt, sondern oft in der Fähigkeit, unter den Bedingungen der Zeit eine eigene, subtile und zutiefst befriedigende Persönlichkeit zu entwickeln. In seiner Bescheidenheit liegt seine Größe – ein stiller Triumph der Beständigkeit und ein würdiger Botschafter des Rauenthaler Gehrn, des Rheingaus und der jahrzehntelangen Tradition des Weinguts Hof St. Johannes.

Jahrgang Jahrgang: 1983
Farbe Farbe: weiss
Erzeuger Erzeuger: Hof St. Johannes Weingut
Land Land: Deutschland
Produktart Produktart: Wein
Weinart Weinart: Weisswein
Region Region: Rheingau
Geschmack Geschmack: süss
Rebsorte Rebsorte: Riesling
Alkohol Alkohol: 10
Füllmenge Füllmenge: 750 ml

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Allergene: Sulfite

Abfüller: Erzeuger