Weingut A.Gillot & Söhne - Oppenheimer Goldberg Riesling Spätlese 1956
175,00 €*
22 Sofort verfügbar
Füllniveau into neck, Kapsel und Etikett sehr gut.
Produktinformationen
Weingut A. Gillot & Söhne – Oppenheimer Goldberg Riesling Spätlese 1956: Ein Zeugnis rheinhessischer Weinbautradition
Einleitung
Der Jahrgang 1956 in Rheinhessen gehört zu jenen Jahrgängen, die in der Weinliteratur selten im Mittelpunkt stehen, und doch haben einige Weine aus diesem Jahr im Laufe der Jahrzehnte eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen. Der Oppenheimer Goldberg Riesling Spätlese 1956 aus dem Hause Weingut A. Gillot & Söhne ist ein solches Beispiel: ein Wein, der die Handschrift einer traditionsreichen Oppenheimer Winzerfamilie trägt und zugleich ein Dokument einer Weinbauepoche ist, die von tiefgreifenden Veränderungen geprägt war. Wer heute eine gut gelagerte Flasche dieses Weines öffnet, blickt auf fast sieben Jahrzehnte Reifegeschichte zurück und erlebt einen Stil, der in dieser Form kaum noch produziert wird.
Das Weingut A. Gillot & Söhne
Das Weingut A. Gillot & Söhne hat seinen Sitz in Oppenheim, einer historischen Weinbaustadt am Rhein im südlichen Rheinhessen. Die Adresse des Betriebs – Wormser Straße 84 in 55276 Oppenheim – ist in zahlreichen Auktionskatalogen und Weindatenbanken dokumentiert, die Weine aus den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg führen. Die Familie Gillot blickt auf eine lange Weinbautradition zurück; auf den Etiketten ihrer Weine prangte über Jahrzehnte hinweg der stolze Schriftzug „Weinbau seit 1781“, der auf die Gründung des Weinguts im 18. Jahrhundert verweist. Über Generationen hinweg wurde das Weingut von der Familie geführt und entwickelte sich zu einem der renommierten Betriebe Oppenheims.
Das Weingut A. Gillot & Söhne war über viele Jahrzehnte hinweg aktiv und produzierte Weine aus den renommierten Lagen Oppenheims und der umliegenden Gemeinden. Die Weinberge erstreckten sich über bekannte Lagen wie den Oppenheimer Goldberg, den Oppenheimer Sackträger, den Oppenheimer Daubhaus und den Dienheimer Falkenberg. Das Sortiment umfasste neben Riesling auch Silvaner und Gewürztraminer, wobei die edelsüßen Prädikatsweine – Auslesen, Beerenauslesen und Trockenbeerenauslesen – einen besonderen Schwerpunkt bildeten. Diese Weine genießen bis heute einen hervorragenden Ruf in Sammlerkreisen: Eine Oppenheimer Beerenauslese aus dem Jahr 1943 erreichte in der Tastingbook-Datenbank 94 Punkte und gehört damit zu den am höchsten bewerteten Weinen des Hauses.
Die Gillot-Familie ist bis heute im Weinbau Rheinhessens präsent. Aus dem Erbe des Weinguts A. Gillot & Söhne entwickelte sich das heutige Weingut Kühling-Gillot in Bodenheim, das von Carolin Spanier-Gillot und ihrem Mann Hans Oliver Spanier geführt wird und zu den führenden Betrieben Rheinhessens zählt. Die Familientradition reicht dabei weit über zwei Jahrhunderte zurück: Bereits vor über 200 Jahren ließ sich die Familie von Carolin Spanier-Gillot am Roten Hang nieder und begann mit dem Weinbau. Der 1956er Oppenheimer Goldberg Riesling Spätlese ist somit ein Dokument aus der Blütezeit des ursprünglichen Familienweinguts, lange bevor die heutige Generation die Geschicke des Betriebs übernahm.
Die Lage Oppenheimer Goldberg
Der Oppenheimer Goldberg ist eine der historischen Weinlagen Oppenheims und blickt auf eine jahrhundertelange Weinbautradition zurück. Die Lage befindet sich an der steilen Abbruchkante des Rheingrabens oberhalb von Oppenheim – ein Terroir, das durch seine exponierte Hanglage und die besonderen geologischen Bedingungen geprägt ist. Die Böden des Goldbergs sind von Kalk und Cyrenenmergel bestimmt, wie historische Quellen belegen: „Kalk und Cyrenenmergel find also die Böden, auf welchen die köstlichen Oppenheimer Weine gedeihen, welche wir zu den allerbesten des Rheines zählen“. Diese Bodenbeschaffenheit – eine Mischung aus kalkhaltigen Ablagerungen und Mergel – verleiht den Weinen eine ausgeprägte Mineralität und eine feste Struktur, die sie für den langen Ausbau prädestiniert.
Die Lage Oppenheimer Goldberg war über Jahrzehnte hinweg eine der bekanntesten Weinlagen Rheinhessens und wurde von zahlreichen renommierten Weingütern bewirtschaftet – darunter die Staatliche Weinbaudomäne Oppenheim, das Weingut Georgshof und das Weingut A. Gillot & Söhne. Der Goldberg brachte Weine von bemerkenswerter Langlebigkeit hervor: Eine Oppenheimer Goldberg Riesling Auslese aus dem Jahr 1929 wurde bei Christie‘s versteigert, und eine Trockenbeerenauslese aus dem Goldberg von 1953 gilt bis heute als rare Rarität. Der Oppenheimer Goldberg war auch die Heimatlage für edelsüße Spezialitäten aller Prädikatsstufen – von der Spätlese über die Auslese bis hin zur Trockenbeerenauslese.
Der Jahrgang 1956 in Rheinhessen
Der Jahrgang 1956 fiel in eine Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs und des beginnenden Weinbooms in der jungen Bundesrepublik. Rheinhessen war damals das größte deutsche Weinbaugebiet und erlebte eine Phase der Konsolidierung und Expansion. Witterungstechnisch war 1956 ein Jahr mit kontrastreichen Bedingungen: Die Niederschlagssummen blieben in vielen Regionen unter dem Durchschnitt, wobei Rheinhessen zu den trockensten Gebieten zählte. Der Dezember des Jahres war ungewöhnlich warm und trüb, in Rheinhessen ziemlich feucht – der wärmste Dezember seit vielen Jahrzehnten. Diese Witterungsbedingungen wirkten sich auf die Rebenentwicklung aus und erforderten ein hohes Maß an handwerklichem Können bei der Lese und Kelterung.
Der Jahrgang 1956 brachte in Rheinhessen Weine hervor, die sich durch eine frische Säure und eine moderate Alkoholstärke auszeichneten. Der Oppenheimer Goldberg Riesling Spätlese 1956 weist einen Alkoholgehalt von 10,5 % vol. auf – ein für die damalige Zeit typischer Wert, der die kühle, elegante Stilistik des Jahrgangs unterstreicht. Diese Weine waren anfangs oft zurückhaltend und streng, entwickelten sich jedoch im Laufe der Jahrzehnte zu komplexen, nuancenreichen Gewächsen mit bemerkenswerter Langlebigkeit.
Die Spätlese als Wein Stil
Die Bezeichnung „Spätlese“ verweist auf eine der traditionsreichsten Prädikatsstufen des deutschen Weinbaus. Spätleseweine werden aus Trauben gekeltert, die später als die normale Lese geerntet werden und dadurch einen höheren Reifegrad und Zuckergehalt aufweisen. Der Stil der Spätlese kann je nach Jahrgang und Winzer sowohl trocken als auch halbsüß oder süß ausfallen. Im Falle des Oppenheimer Goldberg Riesling Spätlese 1956 handelt es sich um einen restsüßen Wein, der seine Süße über Jahrzehnte hinweg bewahrt hat.
Die Spätlese galt in den 1950er Jahren als eine der begehrtesten Prädikatsstufen und war ein wichtiger Bestandteil des deutschen Weinexports. Die Kombination aus Riesling, späte Lese und kalkhaltigem Terroir des Oppenheimer Goldbergs schuf die Grundlage für einen Wein, der sowohl in seiner Jugend Frucht und Frische zeigte als auch im Alter eine beeindruckende Komplexität entwickeln konnte.
Weinbereitung und Ausbau
Die Weinbereitung bei Weingut A. Gillot & Söhne folgte in den 1950er Jahren traditionellen Methoden. Die Trauben wurden von Hand gelesen und in den Kellereien des Betriebs in Oppenheim gekeltert. Die Gärung erfolgte in Holzfässern, und der Ausbau erstreckte sich über mehrere Monate. Der Riesling wurde nach der Gärung auf der Hefe gelagert, um Fülle und Struktur zu gewinnen.
Ein wichtiger Aspekt der damaligen Weinbereitung war die natürliche Gärunterbrechung: Der süße Spätlese-Stil wurde nicht durch Süßung erreicht, sondern durch das natürliche Ende der Gärung, wenn der Alkoholgehalt einen bestimmten Punkt erreichte und die Hefe ihre Arbeit einstellte. Dieser traditionelle Ansatz bewahrte einen Teil der natürlichen Traubensüße und trug wesentlich zur Langlebigkeit des Weines bei. Der Ausbau in Holzfässern verlieh dem Wein zusätzlich Struktur und eine feine Holzwürze, die sich im Laufe der Jahrzehnte in das aromatische Gesamtbild integrierte.
Verkostungsnotizen und sensorische Entwicklung
Ein gut gelagerter Oppenheimer Goldberg Riesling Spätlese 1956 präsentiert sich heute – annähernd sieben Jahrzehnte nach der Lese – in einem faszinierenden Entwicklungsstadium. Die Farbe hat sich von einem ursprünglichen Hellgelb über goldene Töne bis hin zu einem tiefen Bernstein entwickelt, wie es für gereifte Rieslinge dieser Provenienz typisch ist.
In der Nase zeigen sich die klassischen tertiären Aromen gereifter deutscher Rieslinge: getrocknete Aprikosen, kandierte Zitrusfrüchte, Bienenwachs und Akazienhonig, begleitet von der für den Oppenheimer Goldberg charakteristischen Mineralität, die an nassen Kalkstein und feuchte Erde erinnert. Die für den Jahrgang 1956 typische frische Säure ist auch nach Jahrzehnten noch präsent und verleiht dem Wein eine bemerkenswerte Struktur. Hinzu gesellen sich Noten von Petrol – jener unverwechselbare Reifeton, der große gereifte Rieslinge auszeichnet.
Am Gaumen ist der Wein mittelkräftig bis leicht, mit einer seidigen Textur und einer lebendigen Säure, die für Frische und Balance sorgt. Die Süße ist dezent und gut integriert, die Tannine sind längst geschmeidig geworden. Der Abgang ist lang und hinterlässt Noten von getrockneten Früchten, Honig, Nüssen und einem Hauch von salziger Mineralität.
Es ist wichtig zu betonen, dass die Flaschenvarianz bei einem Wein dieses Alters und Jahrgangs erheblich sein kann. Ein Vergleich mit anderen gereiften Gillot-Weinen zeigt die Bandbreite möglicher Entwicklungsverläufe: Ein 1983er Oppenheimer Riesling Kabinett desselben Hauses wurde 2019 als Wein beschrieben, der „etwas restsüß“ war und „im Grunde nur noch ein sehr flaches Süße-Säure-Spiel“ bot – ein Beispiel dafür, dass nicht jede Flasche die Jahrzehnte gleich gut übersteht. Der 1956er Spätlese aus dem Goldberg hingegen, mit seinem höheren Zuckergehalt und der dichteren Struktur einer Spätlese, hatte von Beginn an bessere Voraussetzungen für eine lange Reifung.
Die Bedeutung des Jahrgangs 1956 für das Weingut
Der Jahrgang 1956 war für Weingut A. Gillot & Söhne Teil einer produktiven Schaffensphase. In den 1950er Jahren produzierte das Weingut eine bemerkenswerte Vielfalt an Weinen aus den verschiedenen Oppenheimer und Dienheimer Lagen. Auktionskataloge und Weindatenbanken dokumentieren Gillot-Weine aus dieser Ära: einen Dienheimer Falkenberg Riesling Cabinet 1957, einen Oppenheimer Daubhaus Riesling Auslese 1956, einen Dienheimer Guldenmorgen Riesling Auslese 1959 und einen Oppenheimer Reisekahr Riesling Trockenbeerenauslese 1949. Diese Bandbreite zeigt, dass das Weingut in der Lage war, aus unterschiedlichen Lagen und Jahrgängen Weine von hoher Qualität und Langlebigkeit zu erzeugen.
Der Oppenheimer Goldberg Riesling Spätlese 1956 ist insofern ein besonders interessantes Dokument, als er die Verbindung von drei für Rheinhessen typischen Elementen verkörpert: dem kalkhaltigen Terroir des Goldbergs, der Riesling-Rebe und dem Spätlese-Stil. Weine aus dem Oppenheimer Goldberg genossen über Jahrzehnte hinweg einen hervorragenden Ruf; eine Goldberg Spätlese aus dem Jahr 1921 wurde von der Tastingbook-Datenbank als „rare and exceptional“ beschrieben. Der 1956er reiht sich in diese Tradition ein und ist ein lebendiges Zeugnis der Weinbaukunst einer Epoche, in der Rheinhessen den Grundstein für seinen heutigen Ruf als Qualitätsweinregion legte.
Historischer Kontext
Der Jahrgang 1956 fiel in eine Zeit tiefgreifender politischer und gesellschaftlicher Veränderungen. In Rheinhessen wurde 1956 ein Volksbegehren zur Wiederangliederung an Hessen durchgeführt – ein Ereignis, das die damalige Diskussion um die Neugliederung der Bundesländer widerspiegelt. Diese politischen Debatten hatten zwar keinen direkten Einfluss auf die Weinbereitung, prägten jedoch das Umfeld, in dem Winzer wie die Familie Gillot ihre Weine produzierten.
Die 1950er Jahre waren für den deutschen Weinbau eine Phase des Wiederaufbaus und der Neuorientierung. Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs und den Entbehrungen der Nachkriegsjahre begann sich die Weinwirtschaft zu konsolidieren. Rheinhessen profitierte von der wachsenden Nachfrage nach deutschen Weinen im In- und Ausland. Weingüter wie A. Gillot & Söhne, die über gut bestockte Weinberge in renommierten Lagen verfügten, konnten von diesem Aufschwung profitieren. Der 1956er Oppenheimer Goldberg Riesling Spätlese ist ein Produkt dieser Epoche – ein Wein, der in einer Zeit des Aufbruchs entstand und die damalige Aufbruchsstimmung in Flaschenform konserviert.
Fazit
Der Weingut A. Gillot & Söhne – Oppenheimer Goldberg Riesling Spätlese 1956 ist weit mehr als eine historische Rarität. Er ist ein lebendiges Zeugnis der Rheinhessischen Weinbautradition, ein Dokument der Oppenheimer Weingeschichte und ein außergewöhnliches sensorisches Erlebnis. Seine bernsteinfarbene Erscheinung, die intensive Aromatik von getrockneten Früchten, Honig und Petrol, die ausbalancierte Süße-Säure-Struktur und der lange Abgang machen ihn zu einem Wein, der die Zeit überdauert hat.
Wer das Glück hat, eine gut gelagerte Flasche dieses Weines zu besitzen oder zu verkosten, sollte sich bewusst sein, dass er nicht nur einen Wein genießt, sondern ein Stück rheinhessischer Kultur- und Weingeschichte. Die Kombination aus außergewöhnlichem Terroir, traditioneller Weinbereitung, jahrzehntelanger Reifung und dem historischen Kontext seiner Entstehung macht den 1956er Oppenheimer Goldberg Riesling Spätlese zu einem faszinierenden Zeugnis der deutschen Weinbaukunst – fast sieben Jahrzehnte im Glas.
|
|
Jahrgang: | 1956 |
|---|---|---|
|
|
Farbe: | weiss |
|
|
Erzeuger: | Gillot & Söhne |
|
|
Land: | Deutschland |
|
|
Produktart: | Wein |
|
|
Weinart: | Weisswein |
|
|
Region: | Rheinhessen |
|
|
Geschmack: | süss |
|
|
Rebsorte: | Riesling |
|
|
Alkohol: | 10 |
|
|
Füllmenge: | 750 ml |
Anmelden
Allergene: Sulfite
Abfüller: Erzeuger