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Produktinformationen

Domaine Grivelet – Bonnes Mares Grand Cru 1976 „Longe Prospicio“ Jeroboam (3000 ml)


1. Überblick und Seltenheit

Der Domaine Grivelet Bonnes Mares Grand Cru 1976 „Longe Prospicio“ Cuvée Princess Noura ist einer der exklusivsten und zugleich umstrittensten Burgunder, die je auf den Markt kamen. Die vorliegende Jeroboam-Flasche (3000 ml) – im Auktionshandel oft als „Double Magnum“ (3090 ml) geführt – stellt ein außergewöhnliches Sammlerobjekt dar. Großformate dieser Ära sind von diesem Weingut äußerst selten, da die Produktion von vornherein limitiert war und die meisten Flaschen in den USA verkauft wurden.

Die Kombination aus Grand-Cru-Lage Bonnes Mares, dem Jahrgang 1976, der exklusiven Cuvée-Bezeichnung und dem Jeroboam-Format macht diesen Wein zu einem der begehrtesten – aber auch riskantesten – Objekte für Burgund-Sammler.


2. Das Weingut Domaine Grivelet

Die Domaine Grivelet aus Chambolle-Musigny war ein kleines, traditionelles Weingut, dessen Blütezeit zwischen den Weltkriegen lag. Unter der Leitung von Fernand Grivelet, einem führenden Négociant-Éleveur und Mitglied der Confrérie des Chevaliers du Tastevin, besaß die Familie die besten Lagen der Gemeinde, darunter den Grand Cru Bonnes Mares, die Premier-Cru-Lagen Les Amoureuses und Les Charmes sowie das Château de Chambolle-Musigny selbst.

Das Weingut ist heute aufgelöst; die Weine werden fast ausschließlich aus alten Privatkellern gehandelt. Der Name Grivelet ist jedoch eng mit einem der größten Weinfälschungsskandale der 1970er Jahre verbunden.


3. Die Lage: Bonnes Mares Grand Cru

Bonnes Mares ist einer der prestigeträchtigsten Grand Crus der Côte de Nuits und erstreckt sich über die Gemeinden Chambolle-Musigny und Morey-Saint-Denis. Das rund 15 Hektar große Weinbergsareal liegt auf einer Höhe von 265 bis 300 Metern. Die Böden sind im nördlichen Teil bei Morey-Saint-Denis schwerer, während sie im südlichen Teil bei Chambolle-Musigny leichter und kalkhaltiger sind.

Bonnes-Mares ist bekannt für kräftige, strukturierte Pinot Noirs mit gutem Reifepotenzial. Die Lage wird von renommierten Häusern wie Domaine Comte Georges de Vogüé, Domaine Drouhin-Laroze und Domaine Georges Roumier bewirtschaftet.


4. Die Bezeichnung „Longe Prospicio“ und „Cuvée Princess Noura“

Die Bezeichnung „Longe Prospicio“ (lateinisch für „in die Ferne blicken“ oder „vorausschauen“) war eine exklusive Cuvée-Bezeichnung der Domaine Grivelet für besonders hochwertige Abfüllungen. Sie findet sich auf einigen der prestigeträchtigsten Weine des Hauses, darunter Chambertin-Clos de Bèze und Bonnes Mares.

Die „Cuvée Princess Noura“ war eine weitere exklusive Selektion, die offenbar für Großformate und besonders edle Abfüllungen reserviert war. Die Kombination beider Bezeichnungen auf einer Flasche unterstreicht den außergewöhnlichen Anspruch dieser Abfüllung.


5. Der Jahrgang 1976

Der Jahrgang 1976 war in Burgund von einer intensiven Sommerhitze geprägt, die zu Weinen von bemerkenswerter Konzentration und struktureller Tiefe führte. Die besten Erzeuger konnten Weine von großer Langlebigkeit produzieren, die sich über Jahrzehnte hinweg elegant entwickelten.

Die Weine der Domaine Grivelet aus diesem Jahrgang sind jedoch nicht unumstritten – nicht wegen des Jahrgangs an sich, sondern wegen der historischen Umstände ihrer Entstehung und Vermarktung.


6. Der Fälschungsskandal der 1970er Jahre

Die Reputation der Domaine Grivelet wurde durch einen der größten Weinfälschungsskandale des 20. Jahrhunderts nachhaltig erschüttert. Bernard Grivelet, ein Mitglied der Familie, wurde 1979 von der französischen Behörde zur Betrugsbekämpfung angeklagt und später verurteilt.

6.1 Das Ausmaß des Betrugs

Bernard Grivelet wurde vorgeworfen, etwa 70.000 Flaschen preiswerten Tafelweins (damals im Wert von etwa 4 Dollar pro Flasche) mit den prestigeträchtigen Etiketten von Chambertin, Chambertin-Clos de Bèze, Chambolle-Musigny und Morey-Saint-Denis versehen zu haben.

6.2 Der Import in die USA

Die gefälschten Weine wurden über den Importeur Castleton Imports of Jericho, New York, in die USA gebracht. Castleton Imports brachte 30.000 Flaschen der gefälschten Grivelet-Burgunder in die USA und vertrieb sie an 40 bis 50 Einzelhändler in New York City und auf Long Island.

6.3 Die juristische Aufarbeitung

Castleton Imports wurde vom US-Justizministerium wegen wissentlicher und vorsätzlicher Beteiligung an dem Etikettenbetrug angeklagt. Im Dezember 1982 bekannte sich das Unternehmen schuldig und wurde gezwungen, für immer aus dem Weinhandel auszusteigen.

6.4 Großformate besonders betroffen

In Diskussionen unter Sammlern wird immer wieder darauf hingewiesen, dass die Großformate (Magnums, Jeroboams, Methuselahs und Salmanazare) der Grivelet-Weine aus den 1970er Jahren besonders häufig von Fälschungen betroffen waren. Ein Weinkenner schrieb in einem Forum: „The short answer is that yes, 1976 Grivelet Chambertin and Chambertin Clos de Beze wines, including those two wines in large formats, were counterfeited by Bernard Grivelet.“


7. Markt und Preise

7.1 Auktionsergebnisse

Die Preise für Grivelet-Großformate schwanken stark – nicht zuletzt aufgrund der unsicheren Provenienz:

FormatPreisQuelle
4-Liter-Flasche (Longe Prospicio)$3.050 (Dezember 2024)WineBid
Double Magnum (3.090 ml)$650 (Oktober 2025)Brunk Auctions
750-ml-Flasche$1.600 – $2.200 (Schätzung)Iron Gate Auctions

Die erhebliche Preisspanne zwischen den verschiedenen Auktionen spiegelt die Unsicherheit wider, die diesen Wein bis heute begleitet.

7.2 Zustand der Flaschen

Bei den wenigen existierenden Flaschen handelt es sich fast ausschließlich um Exemplare aus alten Privatkellern. Der Zustand ist oft beeinträchtigt:

  • Etiketten mit Verschmutzungen, Feuchtigkeitsflecken und Abrieb

  • Wachskapseln mit Verlusten rund um den Korken

  • Füllstände meist im guten bis sehr guten Bereich („good fill into neck“)


8. Vorsicht für Sammler

Aufgrund der historischen Fälschungen ist bei jedem Erwerb eines Grivelet-Weins aus den 1970er Jahren größte Vorsicht geboten:

  • Provenienz muss lückenlos dokumentiert sein

  • Großformate sind besonders risikobehaftet

  • Selbst seriöse Auktionshäuser wie Christie's haben in der Vergangenheit Grivelet-Großformate angeboten, deren Echtheit von Sammlern angezweifelt wurde

  • Eine chemische oder sensorische Prüfung durch einen Fachmann ist vor dem Erwerb dringend zu empfehlen


9. Fazit

Der Domaine Grivelet Bonnes Mares Grand Cru 1976 „Longe Prospicio“ Cuvée Princess Noura im Jeroboam-Format ist ein Wein der Extreme: Er vereint eine der größten Lagen Burgunds, ein exklusives Großformat und eine der exquisitesten Cuvée-Bezeichnungen des Hauses – doch sein Name ist für immer mit einem der dunkelsten Kapitel der Weingeschichte verbunden.

Für Sammler, die eine Flasche mit zweifelsfreier Provenienz erwerben können, mag dieser Wein ein einzigartiges Zeugnis einer vergangenen Ära sein. Doch das Risiko, eine Fälschung zu erwerben, ist bei diesem Wein außergewöhnlich hoch. Die erheblichen Preisschwankungen auf dem Auktionsmarkt – von 650 Dollar bis über 3.000 Dollar – spiegeln diese Unsicherheit wider.

Fazit: Der 1976er Grivelet Bonnes Mares im Jeroboam-Format ist ein faszinierendes, aber riskantes Sammlerobjekt – ein Wein, der die glorreiche Vergangenheit Burgunds ebenso verkörpert wie die Schattenseiten des Weinhandels. Nur mit größter Sorgfalt bei der Herkunftsprüfung sollte man sich an diesen Wein wagen.

Jahrgang Jahrgang: 1976
Farbe Farbe: rot
Erzeuger Erzeuger: Grivelet Domaine
Land Land: Frankreich
Produktart Produktart: Wein
Weinart Weinart: Rotwein
Region Region: Burgund
Geschmack Geschmack: trocken
Rebsorte Rebsorte: Pinot Noir
Alkohol Alkohol: 14
Füllmenge Füllmenge: 3000 ml

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Allergene: Sulfite

Abfüller: Erzeuger