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Produktinformationen

Château Canon la Gaffelière – Saint-Émilion Grand Cru 1972: Ein Zeuge aus dem Übergangsjahr zur Neipperg-Ära

Der Château Canon la Gaffelière Saint-Émilion Grand Cru 1972 ist ein Wein von bemerkenswerter historischer Tiefe – ein Premier Grand Cru Classé aus einem Jahrgang, der in Bordeaux als „petite année“ (kleines Jahr) gilt und dennoch Weine von überraschender Langlebigkeit hervorbrachte. Er entstand in einem entscheidenden Moment der Weingutsgeschichte: Nur ein Jahr, nachdem die Familie von Neipperg das Anwesen erworben hatte, und in einer Zeit, in der die Weine des Hauses noch als „zu leicht“ galten – ein Umstand, der sich erst mit dem Eintreffen von Stephan von Neipperg im Jahr 1984 und der darauffolgenden Renaissance grundlegend ändern sollte.

Das Weingut: Von den Aussätzigen zur Neipperg-Dynastie

Die Geschichte von Château Canon la Gaffelière reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Der Name „Gaffelière“ leitet sich vom alten französischen Wort „gaffet“ ab, was „Aussätziger“ bedeutet – ein Verweis auf die Leprakolonie, die einst auf dem Land lebte, auf dem heute die Weinberge stehen. Der Graf von Malet-Roquefort erwarb das gesamte Anwesen im 17. Jahrhundert und ließ ein Schloss errichten, während Pächter das Land bewirtschafteten und neben Reben auch Rüben und Getreide anbauten. Der erste urkundlich erwähnte Weinverkauf von La Gaffelière wurde 1777 vom Weinhändler Beylot & Fils in Libourne dokumentiert.

Im 19. Jahrhundert erwarb die Familie Boitard de la Poterie das Gut und betrieb es unter dem Namen La Gaffelière-Boitard. Nach über einem Jahrhundert im Besitz der Familie Peyraud kaufte 1953 der Rennfahrer und Bürgermeister von Saint-Émilion, Pierre Meyrat, das Château. Im Jahr 1971 schließlich erwarb Graf Joseph-Hubert von Neipperg das Anwesen – gemeinsam mit zwei weiteren Gütern in Saint-Émilion und einem Betrieb in Castillon. Die Familie von Neipperg, ein deutsches Adelsgeschlecht, blickte bereits auf eine über achthundertjährige Weinbautradition zurück.

Der Jahrgang 1972: Ein „kleines Jahr“ mit großen Überraschungen

Der Jahrgang 1972 war in Bordeaux von widrigen Witterungsbedingungen geprägt. Die Weinliteratur beschreibt ihn als „petite année“ – ein Jahr, das in der Region insgesamt nur wenige große Weine hervorbrachte. Der kalte, feuchte Sommer und die daraus resultierenden Ernteherausforderungen stellten die Winzer vor große Probleme. Und doch – wie so oft in der Geschichte des Bordeaux – zeigten die besten Terroirs und die engagiertesten Winzer, dass auch in schwierigen Jahren Weine von bemerkenswerter Qualität entstehen können. Der Weinhistoriker Michael Broadbent bemerkte treffend, dass es manchmal schwierig sei, die Qualität eines großen Weins in seiner Jugend vorherzusagen – ein Umstand, der sich auch beim 1972er Canon la Gaffelière bestätigen sollte.

Die Weinbereitung folgte den Traditionen des Hauses. Die Rebsorten verteilen sich auf Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Merlot, wobei der für Saint-Émilion ungewöhnlich hohe Cabernet-Franc-Anteil von 40 Prozent bis heute ein Markenzeichen des Weinguts ist. Die Vinifikation erfolgt in thermoregulierten Holzfudern, die malolaktische Gärung und der Ausbau finden in neuen Barriques statt – bis zu 80 Prozent je nach Jahrgang – und dauern 15 bis 18 Monate.

Verkostungsnotizen: Ein gereifter Saint-Émilion von seltener Eleganz

Die Verkostungsnotizen für den Canon la Gaffelière 1972 zeichnen das Bild eines Weins, der seine besten Jahre möglicherweise bereits hinter sich hat, aber noch immer von seiner einstigen Größe zeugt. Die allgemeine Stilistik des Hauses wird als „warm“ beschrieben – eine Eigenschaft, die nicht zufällig mit der „affable personality“ des Besitzers in Verbindung gebracht wird. Die Weine präsentieren eine „remarkable aromatic range“ mit Noten von roten Früchten, Toast, Pflaumen, Zimt und anderen Gewürzen und benötigen zwischen zehn und fünfzehn Jahren im Keller, um ihre volle Reife zu erreichen.

Für den 1972er Jahrgang – der heute über fünfzig Jahre alt ist – dürften die Tertiäraromen längst die Primärfrucht abgelöst haben: Unterholz, Leder, Tabak und getrocknete Früchte prägen das Bukett, unterlegt mit der für gereifte Saint-Émilion typischen erdigen Mineralität. Am Gaumen zeigt sich eine seidige, aber möglicherweise etwas ausgedünnte Struktur – ein Charakteristikum, das die Weine des Hauses vor der Neipperg-Revolution auszeichnete. Die Tannine sind geschmolzen, die Säurestruktur lebendig, der Abgang von mittlerer Länge.

Der Zustand der Flaschen: Zeitzeugen der Geschichte

Die Existenz des Jahrgangs 1972 ist durch mehrere Auktionslose dokumentiert. Bei Catawiki wurde eine Partie von zwei Flaschen (0,75 L) angeboten, die als „parfait état“ (perfekter Zustand) beschrieben wurden – mit „niveau de remplissage, la capsule et l‘étiquette sont parfaits“ (Füllstand, Kapsel und Etikett perfekt). Die Flaschen lagerten laut Verkäufer „dans une cave à vin sombre et climatisée depuis l‘achat chez un détaillant spécialisé“ (in einem dunklen, klimatisierten Weinkeller seit dem Kauf bei einem Fachhändler). Der Füllstand wird als „base neck“ (unterer Hals) angegeben, die Kapsel als „fully intact metal capsule“ (vollständig intakte Metallkapsel) und das Etikett als „fully intact, readable label“ (vollständig intaktes, lesbares Etikett). Diese Beschreibungen sind für einen über fünfzig Jahre alten Wein bemerkenswert und zeugen von sorgfältiger Lagerung.

Bei Idealwine wird der 1972er Canon la Gaffelière als „1er Grand Cru Classé B“ geführt – eine Klassifikation, die das Weingut jedoch erst 2012 offiziell erhielt. In den 1970er Jahren war das Gut als „Grand Cru Classé“ eingestuft – eine niedrigere Stufe, die den damaligen Qualitätsstand widerspiegelt. Die durchschnittliche Auktionsbewertung liegt bei rund 100 Euro pro Flasche, wobei einzelne Flaschen zwischen 98 und 106 Euro erzielen.

Ein Fenster in eine vergangene Ära

Für den Sammler und Liebhaber ist der Château Canon la Gaffelière Saint-Émilion Grand Cru 1972 weit mehr als eine seltene Flasche – er ist ein Stück Weingeschichte. Er entstand in einem Jahr, in dem die Familie von Neipperg gerade erst die Leitung des Weinguts übernommen hatte, und in einer Zeit, in der die Weine des Hauses noch als „zu leicht“ galten – ein Urteil, das die damalige Produktion treffend charakterisiert. Wer eine solche Flasche öffnet, hält nicht nur einen seltenen Saint-Émilion in Händen, sondern ein flüssiges Denkmal einer vergangenen Ära des Bordeaux – und einen Wein, der zeigt, dass auch in schwierigen Jahren und in Zeiten des Umbruchs Weine von bemerkenswerter Beständigkeit entstehen können.

Jahrgang Jahrgang: 1972
Farbe Farbe: rot
Erzeuger Erzeuger: Château Canon la Gaffelière
Land Land: Frankreich
Produktart Produktart: Wein
Weinart Weinart: Rotwein
Region Region: Bordeaux
Geschmack Geschmack: trocken
Rebsorte Rebsorte: Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot
Alkohol Alkohol: 14
Füllmenge Füllmenge: 750 ml

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Allergene: Sulfite

Abfüller: Erzeuger