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Produktinformationen

Winzergenossenschaft Kallstadt Weinstrasse - Kallstadter Steinacker Riesling 1957, Pfalz, Deutschland

Einleitung: Ein vergilbtes Kapitel pfälzischer Weinbaugeschichte

Die Winzergenossenschaft Kallstadt war in den 1950er Jahren ein zentraler Sammelpunkt für die Trauben der vielen Kleinwinzer des Ortes. Der Kallstadter Steinacker ist ein heute kaum noch gebräuchlicher, historischer Flurname – vermutlich eine kleinere Parzelle oder Riede, die später in der Großlage „Kallstadter Saumagen“ aufging. Ein Riesling aus diesem spezifischen „Steinacker“ von 1957 ist daher mehr als ein Wein: Er ist ein flüssiges Archivstück einer längst vergangenen Flurstruktur und einer Ära, in der die Genossenschaft den Absatz sicherte und den Weinbau prägte. Der Jahrgang 1957 war klassisch, säurebetont und für seine Langlebigkeit bekannt – eine letzte Hoffnung für einen Wein, der nie für ein halbes Jahrhundert Lagerung gedacht war.


Sensorische Prognose (unter größtem Vorbehalt)

Ein Genossenschaftswein dieses Alters ist eine archäologische Probe. Die folgende Beschreibung stellt das absolute Best-Case-Szenario einer überragend gelagerten Flasche dar. Die Wahrscheinlichkeit eines müden, überoxidierten oder fehlerhaften Weines ist sehr hoch.

Farbe

  • Ein blasses, durchscheinendes Goldbraun bis Bernsteingold mit olivgrünen Reflexen am Rand. Die Klarheit kann noch überraschen, die Intensität ist jedoch gering.

Nase

Das Bukett, falls noch erkennbar, wird vollständig von tertiären und oxidativen Noten dominiert. Primärfrucht ist nicht mehr vorhanden.

  • Dominant: Petrol, Kerosin, Bienenwachs, Honigwabe, geröstete Mandeln oder Walnuss.

  • Getrocknete Früchte: Ein Hauch von getrockneten Aprikosen, Rosinen oder Backpflaumen.

  • Oxidative Noten: Eine deutliche sherryartige (Madeira-) oder ranzige Komponente – Zeichen der fortgeschrittenen Reife. In Maßen kann dies interessant sein, dominiert jedoch meist das Bild.

  • Erdige Nuancen: Feuchtes Laub, alte Holzkiste.

  • Risiko: Die Nase kann auch flach, dumpf oder von unangenehmen Korkfehlern geprägt sein.

Gaumen

  • Textur: Leicht, dünn und wässrig. Der Körper ist minimal; die einstige Struktur ist vollständig abgebaut.

  • Säure: Der entscheidende Lebensfaktor. Ist die Säure des Jahrgangs 1957 noch spürbar, verleiht sie dem Wein eine überraschende Frische und Länge. Ist sie erschöpft, wirkt der Wein flach, lahm und unangenehm süßlich.

  • Geschmack: Ein blasses Echo der Nase: Honig, Wachs, etwas Trockenfrüchte, Nuss.

  • Abgang: Sehr kurz bis nicht vorhanden. Ein langer Nachhall ist bei dieser Herkunft und diesem Alter äußerst unwahrscheinlich.


Historische & Önologische Einordnung

Jahrgang 1957 in der Pfalz

  • Ein klassischer, eher kühler und säurebetonter Jahrgang. Die Weine waren in der Jugend oft herb und zurückhaltend, besaßen aber eine gute Struktur für eine mittlere bis lange Lagerung. Für einen einfachen Genossenschaftswein war eine Haltbarkeit von 10-15 Jahren realistisch – 65+ Jahre sind eine gewaltige Überschreitung.

Die Lage „Steinacker“

  • Der Flurname deutet auf einen steinigen, kargen Boden hin – vermutlich mit Anteilen von Kalkgestein oder Buntsandstein. Solche Böden verleihen Rieslingen oft eine ausgeprägte Mineralität und helfen, Säure zu bewahren. Die genaue Parzelle ist heute nicht mehr im offiziellen Lagekataster verzeichnet.

Winzergenossenschaft in den 1950ern

  • Die Genossenschaft bündelte die Ernte vieler Winzer. Die Qualität war solide, aber selten spektakulär. Die Kellertechnik war traditionell (große Holzfässer, keine Temperaturkontrolle). Eine Riesling-Abfüllung mit Flurnamen wie „Steinacker“ deutet darauf hin, dass die Genossenschaft damals durchaus differenzierte – dies war kein einfacher Verschnitt, sondern eine selektierte Partie aus einer als gut geltenden Parzelle.


Zustandsbewertung & Risiko

Kritische Faktoren

  1. Alter & Haltbarkeit: Der Wein ist weit über jede realistische Grenze hinaus. Jeder noch wahrnehmbare Weincharakter ist ein Wunder.

  2. Füllstand: Ein niedriger Füllstand (unter „Mid-Shoulder“) ist sehr wahrscheinlich und deutet auf starke Oxidation hin.

  3. Kork: Der originale Genossenschaftskorken ist nach 65 Jahren extrem brüchig und eine Hauptschwachstelle.



Empfehlungen & Fazit

Umgang mit der Flasche

  1. Nicht öffnen für Genusszwecke. Dies ist ein Objekt für die Vitrine, nicht für den Gaumen.

  2. Aufbewahren als historisches Dokument. Die Flasche mit originalem Etikett, Füllstand und Korken ist ein seltenes Zeugnis der pfälzischen Genossenschaftsgeschichte und der alten Flurnamen.

  3. Falls dennoch geöffnet: Lange ruhen lassen, mit größter Vorsicht dekantieren (nur Sedimenttrennung), bei 10-12°C verkosten – aber mit Null Erwartung.

Abschließender Gedanke

Der Kallstadter Steinacker Riesling 1957 ist kein Wein für den Genießer, sondern ein weinhistorisches Relikt. Er erzählt von einer Zeit, in der Winzergenossenschaften das Rückgrat des deutschen Weinbaus bildeten, in der Flurnamen wie „Steinacker“ noch lebendig waren und in der ein einfacher Riesling – wenn auch nicht für die Ewigkeit gemacht – dennoch über ein halbes Jahrhundert überdauern konnte, zumindest als Flasche. Sein Wert liegt nicht im Geschmack, sondern in seiner Authentizität als vergessenes Stück Heimatgeschichte. Ein Sammlerstück für das Museum, nicht für den Weinkeller.

Jahrgang Jahrgang: 1957
Farbe Farbe: weiss
Erzeuger Erzeuger: Winzergenossenschaft Kallstadt
Land Land: Deutschland
Produktart Produktart: Wein
Weinart Weinart: Weisswein
Region Region: Pfalz
Geschmack Geschmack: süss
Rebsorte Rebsorte: Riesling
Alkohol Alkohol: 10
Füllmenge Füllmenge: 750 ml

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Allergene: Sulfite

Abfüller: Erzeuger