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Produktinformationen

Fachgutachten / Sonderbericht:
Hessische Staatsweingüter Kloster Eberbach – Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder Weißherbst Eiswein-Auslese 1978


1. Executive Summary & enologische Einordnung (Die "Einhorn"-Kategorie)

Bei der vorliegenden Flasche handelt es sich nicht um einen Rotwein, sondern um eine absolute Rarität der deutschen Weinbaugeschichte. Die Kombination aus Assmannshäuser Höllenberg (Deutschlands berühmteste Rotweinlage), Spätburgunder (Pinot Noir), Weißherbst (Weißausbau ohne Maischestandzeit) und dem Prädikat Eiswein-Auslese (archaische Bezeichnung vor der Weinrechtsreform 1982) macht diesen Tropfen zu einem singulären Sammlerstück, das in dieser Zusammensetzung praktisch nicht mehr am Markt erscheint.

Anders als der 1975er Jahrgang (ein kräftiger, trockener Rotwein) ist der 1978er Weißherbst Eiswein ein extraktreicher, süßer Dessertwein von monumentalem Säuregerüst. Er ist kein Getränk für den alltäglichen Genuss, sondern ein Zeitkapsel-Phänomen, das die außergewöhnliche Kälte des Winters 1978/79 mit der goldenen Herbstreife des Jahrgangs 1978 vereint.


2. Die historische Prädikatsbezeichnung: "Eiswein-Auslese" (v. 1978)

Für das Verständnis dieses Weines ist die Etikettenaufschrift essenziell: Nach dem deutschen Weingesetz von 1971 war Eiswein zunächst kein eigenständiges Prädikat, sondern galt als besondere Leseart innerhalb der bestehenden Prädikate. Um Eiswein herstellen zu dürfen, mussten die Trauben zum Zeitpunkt der Lese mindestens das Mostgewicht einer Auslese erreicht haben – und zusätzlich bei natürlichem Frost (mind. -7 °C) gelesen werden. Daher die historische Doppelbezeichnung „Eiswein-Auslese“.

Erst mit der Reform von 1982 wurde Eiswein zu einem eigenständigen Prädikat aufgewertet. Eine Flasche von 1978 trägt also eine längst obsolet gewordene, aber hochgradig begehrte Amtsbezeichnung und dokumentiert die Geburtsstunde des deutschen Eiswein-Booms.


3. Der Erzeuger & die Lage im Sonderkontext

  • Kloster Eberbach: Das Staatsgut verfolgte in den 1970er Jahren eine ambitionierte Linie, alle Facetten des Spätburgunders auszureizen. Dass man sich entschloss, die kostbaren Höllenberg-Trauben nicht zu Rotwein zu keltern, sondern zu einem Weißherbst-Eiswein zu verarbeiten, war ein kühnes Experiment, das heute als Meisterstreich gilt.

  • Assmannshäuser Höllenberg (Quarzitverwitterungsboden): Die magere, steinige Substanz ist hier der Schlüssel. Für einen Eiswein ist dieser Boden perfekt, da er die Säurestruktur der Beeren extrem straff hält und die nötige Mineralik liefert, um die immense Restsüße (oft über 150–200 g/l) später zu balancieren.


4. Der Jahrhundert-Jahrgang 1978 im Rheingau

Der Jahrgang 1978 zählt zu den absolut großen Jahrzehnt-Jahrgängen des 20. Jahrhunderts (neben 1971 und 1976).

  • Ein sehr warmer, sonnenreicher Sommer ließ die Trauben perfekt ausreifen (hohe Mostgewichte).

  • Entscheidend war der extrem kalte Winter 1978/79: Bereits im Dezember fielen die Temperaturen in Assmannshausen auf unter -10 °C. Die konzentrierten, edelfaul-unbelasteten Beeren gefroren zu steinharten Perlen. Bei der schonenden Pressung im gefrorenen Zustand floss nur der hochkonzentrierte, zucker- und säurereiche Saft ab – das Gefrierwasser (Wassereis) blieb in der Presse zurück.


5. Sensorische Erwartung (Typizität nach 48 Jahren Reife)

Anders als beim 1975er Rotwein, der sich im Abbau befindet, befindet sich dieser Eiswein aufgrund seiner perfekten Konservatoren (Zucker + Säure) noch in einem prächtigen, jugendlich-wachen Reifezustand.

  • Farbe: Leuchtendes, tiefes Bernstein-Gold mit zartrosa Reflexen (charakteristisch für den Weißherbst-Ausbau). Kein Trübungsverlust – die Dichte schützt vor übermäßiger Oxidation.

  • Nase (Bouquet): Betörend komplex. Reife Aprikose, kandierte Orangenschale, Mango und Honigmelone vereinen sich mit der kühlen Höllenberg-Mineralik (feuchter Schiefer, Kreide). Durch das Alter gesellen sich exotische Gewürze wie Safran und Ingwer sowie eine feine, aber dezente Karamell-Note hinzu. Keine Sherry-Töne (wie beim 1975er) – die Säure hält die Oxidation in Schach.

  • Gaumen: Ein unfassbar dichtes, sirupartiges Mundgefühl, das jedoch sofort von einer prickelnd-frischen, elektrisierenden Säure durchschossen wird. Das ist das Markenzeichen des 1978er-Jahrgangs. Die Süße ist enorm, wirkt aber nie klebrig, da die Extraktdichte und die Quarzit-Würze ein perfektes Gleichgewicht schaffen. Der Abgang ist endlos und hinterlässt ein Gefühl von kühlen, exotischen Früchten und Feuerstein.


6. Aktueller Zustand & Haltbarkeitsprognose

Im krassen Gegensatz zum 1975er Rotwein (der auf dem absteigenden Ast ist) gilt für diesen Eiswein: Die Reise hat gerade erst ihren Höhepunkt erreicht.

  • Aufgrund des hohen Zuckers (Restsüße) und der äußerst stabilen, natürlichen Säure ist dieser Wein noch mindestens 25 bis 30 Jahre (also bis ca. 2055) problemlos lagerfähig, sofern Korken und Füllstand (ideal: hohes Schulterniveau) intakt sind.

  • Ein leichtes Sediment (Weinsäurekristalle) ist bei Eisweinen dieses Alters nicht nur normal, sondern ein Gütezeichen für natürliche Säure.


7. Dekantier- & Servierempfehlung (Grundlegend anders)

  • Temperatur: Servieren bei sehr kühlen 8–10 °C (niemals raumwarm!). Bei zu warmer Temperatur wirkt die Süße penetrant und der Alkohol (ca. 10–11 % vol.) drängt in den Vordergrund.

  • Vorbereitung: Flasche 24 Stunden aufrecht stellen. Nicht dekantieren! Ein Umfüllen in die Karaffe zerstört das filigrane Aromenspiel. Es reicht, wenn die Flasche vorsichtig geöffnet und das Sediment im Flaschenhals belassen wird.

  • Luft: Dieser Wein braucht keine lange Belüftung. Er darf direkt nach dem Öffnen im Glas atmen – die Aromen öffnen sich mit der Temperatur im Glas.


8. Kulinarische Begleitung (Dessert & Delikatessen)

Aufgrund der enormen Süße und Säure ist dies ein begleitender Digestif oder Begleiter zu:

  • Foie gras (Enten- oder Gänsestopfleber) – die Fettsäure schmilzt die Süße perfekt weg.

  • Blauschimmelkäse (z.B. Roquefort oder dänischer Danablu).

  • Frucht-Desserts: Mango-Tarte, Pfirsich-Crumble oder exotisches Sorbet.

  • Pur: Als krönender Abschluss eines festlichen Menüs solo genossen.


9. Fazit & Markteinschätzung (Unbezahlbare Rarität)

Der Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder Weißherbst Eiswein-Auslese 1978 ist kein Wein – es ist ein archäologisches Fundstück der gehobenen Vinifikationskunst. Er vereint die Wärme eines großen Jahrgangs mit der Strenge eines Polarwinters und der mineralischen Härte des Taunusquarzits.

  • Marktverfügbarkeit: Praktisch nicht existent. Selbst bei großen Auktionen (z.B. Christie’s oder Trierer Weinauktion) taucht diese spezifische Kombination nur in Alt-Sammlungen von ehemaligen Gutsdirektoren auf.

  • Aktueller Wert (Schätzung): Aufgrund des Seltenheitswertes (Unikat-Charakter) und des hervorragenden Erhaltungszustandes, den ein Eiswein dieser Güte erwartungsgemäß hat, liegt der Schätzwert klar über dem des 1975ers. Bei gesicherter Provenienz sind 800 bis 1.500 Euro als Auktionsstartpreis anzusetzen, Tendenz bei Bietgefechten deutlich steigend.

Abschließende Empfehlung: Wenn Sie diese Flasche besitzen, bewahren Sie sie als sammlerisches Juwel auf oder öffnen Sie sie nur zu einem wirklich außergewöhnlichen Anlass. Sie werden einen Wein erleben, der keinen Vergleich zur trockenen Rotwein-Variante von 1975 zulässt – er ist transparenter, jugendlicher und von geradezu majestätischer Süße-Säure-Balance. Ein einmaliges Zeugnis deutscher Weinkultur.

Jahrgang Jahrgang: 1978
Farbe Farbe: weiss
Erzeuger Erzeuger: Staatsweingüter Kloster Eberbach
Land Land: Deutschland
Produktart Produktart: Wein
Weinart Weinart: Weisswein
Region Region: Rheingau
Geschmack Geschmack: süss
Rebsorte Rebsorte: Spätburgunder
Alkohol Alkohol: 10
Füllmenge Füllmenge: 375 ml

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Allergene: Sulfite

Abfüller: Erzeuger