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Produktinformationen

Bericht / Fachgutachten:
Hessische Staatsweingüter Kloster Eberbach – Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder Auslese 1975


1. Executive Summary & historische Einordnung

Bei dem Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder Auslese 1975 handelt es sich um eine absolute Rarität des deutschen Spitzenweinbaus. Entstanden in einem der ältesten und renommiertesten Weingüter Deutschlands, verkörpert diese Flasche den archetypischen Stil des Rheingauer Rotweins aus der Ära, als Kloster Eberbach noch ein eigenständiges Staatsgut war (heute Teil der Hessischen Staatsweingüter GmbH). Mit einem Alter von über 50 Jahren hat dieser Wein das klassische „Trinkfenster“ für die meisten Rotweine bei weitem überschritten – er befindet sich im späten Reifeplateau und ist nur bei exzellenter Provenienz (kühle, konstante Kellerlagerung seit der Abfüllung) noch als sinnliches Erlebnis intakt.


2. Der Erzeuger: Hessische Staatsweingüter Kloster Eberbach

Gegründet von den Zisterziensermönchen im Jahr 1136, zählt Kloster Eberbach zu den historisch bedeutendsten Weinbaubetrieben der Welt. Der Betrieb war über Jahrhunderte Maßstab für die Qualitätsweinproduktion im Rheingau. Die 1975er Abfüllung stammt noch aus der Zeit, als das Gut direkt vom Land Hessen geführt wurde. Die Weinbereitung folgte damals einer traditionsreichen, aber im Vergleich zu heute etwas oxidativeren Reifung (große, alte Holzfässer), was diesen Jahrgang zu einem besonders komplexen, erdigen Vertreter seiner Zeit macht.


3. Die Lage: Assmannshäuser Höllenberg

Der Höllenberg ist die berühmteste Rotweinlage Deutschlands und gilt als das Spätburgunder-Paradies des Rheingaues.

  • Exposition & Klima: Steillage mit Neigungen bis zu 60 %, direkt am Rhein gelegen, was für hervorragende Wärmereflexion sorgt.

  • Boden: Charakteristischer Taunusquarzit-Verwitterungsboden mit hohem Schiefer- und Quarzitanteil. Dieses extrem magere, steinige Terrain zwingt die Reben zu tiefer Wurzelbildung, speichert die Sonnenwärme und verleiht den Weinen ihre unverwechselbare mineralische Würze und markante Säurestruktur.

  • Rebsortenanteil: Der Höllenberg ist seit dem Mittelalter nahezu ausschließlich mit Spätburgunder (Pinot Noir) bestockt.


4. Der Jahrgang 1975 im Rheingau

Der Weinjahrgang 1975 war für Deutschland ein überdurchschnittlicher bis guter Jahrgang, der jedoch oft im Schatten der legendären Jahrgänge 1971 und 1976 steht.

  • Die Vegetationsperiode war von einem warmen, trockenen Sommer geprägt, der für eine frühe, konzentrierte Lese sorgte.

  • Die Ernte des Auslese-Gutes (überreife, teils edelfaulbehangene Trauben) fand sehr spät statt. Dies führte zu enorm hohen Mostgewichten, was dem Wein einen kräftigen Alkoholgehalt (schätzungsweise 13–13,5 % vol.) und eine dichte Extraktfülle verlieh. Allerdings fehlte es dem Jahrgang etwas an der strahlenden Säure eines 1971ers, was die enorme Alterungsfähigkeit dieses speziellen 1975ers leicht einschränkt.


5. Stilistik & sensorische Erwartung (Typizität)

WICHTIGER HINWEIS ZUR GESCHMACKSRICHTUNG: Bei einem Spätburgunder Auslese handelt es sich nicht um einen süßen Dessertwein wie bei einem Riesling Auslese. Die Prädikatsstufe "Auslese" bezieht sich hier auf die gelesene Traubenreife (Mindestmostgewicht). Daraus resultiert ein extrem körperreicher, alkoholstarker und kraftvoller trockener oder maximal halbtrockener Rotwein mit enormer Dichte. Die Restsüße ist, falls vorhanden, meist vollständig von der Gerbstoffstruktur und der Säure umschlungen.

Prognostiziertes Erscheinungsbild (bei idealer Lagerung):

  • Farbe: Tiefes, langsam ins Ziegelrote und Braune kippendes Granat. Orangefarbene Ränder und leichte Trübung (sedimentbedingt) sind charakteristisch für das Alter.

  • Nase (Bouquet): Keine primäre Frucht mehr. Stattdessen komplexe Tertiäraromen: Trüffel, Waldboden, Leder, Tabak, getrocknete Pflaume, Himbeerkonfitüre sowie eine feine würzige Note von Nelken und Sternanis. Bei guter Flasche mischen sich kandierte Orangenzesten und ein Hauch von Sherry-Note (Oxidation) hinein.

  • Gaumen: Die Tannine sollten sich mittlerweile vollständig aufgelöst und zu einer samtigen, fast schmelzigen Textur verwandelt haben. Die Säure ist abgerundet, aber hoffentlich noch ausreichend präsent, um die Fülle zu tragen. Der Abgang ist extrem lang und warm mit einer ausgeprägten mineralischen Quarzit-Würze.


6. Aktueller Zustand & Trinkreife

Dieser Wein hat seinen absoluten Zenit überschritten und befindet sich im Endstadium seiner Trinkreife.

  • Haltbarkeit: Flaschen mit tadelloser Kapsel und niedrigem Füllstand (mindestens oberes Schulterniveau) können noch bis ca. 2028–2030 gelagert werden, ein weiterer Ausbau bringt jedoch keine positiven Entwicklungen mehr, sondern verstärkt lediglich die oxidativen Noten.

  • Risiko: Die größte Gefahr für diesen Jahrgang ist die mangelhafte Lagerung. Aufgrund des hohen Extraktes und der geringeren Säure neigt der 1975er bei Wärme schnell zum "Überkochen" oder Korkgeschmack.


7. Dekantier- & Servierempfehlung

  • Temperatur: Bei 16–18 °C (nicht zu warm servieren, sonst wirkt er alkoholisch und flach).

  • Vorbereitung: Die Flasche sollte mindestens 24 Stunden aufrecht stehen, damit sich das Sediment absetzt.

  • Dekantieren: Nur vorsichtig umfüllen, um den Bodensatz zu trennen. Anschließend maximal 30 Minuten atmen lassen. Eine zu lange Belüftung (über 1 Stunde) lässt die ohnehin fragile Säure kollabieren und verstärkt die Oxidationsnoten ins Unangenehme (essigartig).


8. Kulinarische Begleitung

Dieser Wein benötigt kräftige, aber nicht zu scharfe Speisen, die seine samtige Tiefe unterstreichen:

  • Wildgerichte: Rehkeule oder Hirschrücken mit Preiselbeeren und Trüffeljus.

  • Geflügel: Gebratene Entenbrust mit Orangensauce.

  • Käse: Gereifter Bergkäse (z.B. Appenzeller oder Comté) oder ein milder Blauschimmelkäse.


9. Fazit & Markteinschätzung

Der Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder Auslese 1975 ist mehr ein historisches Zeitdokument als ein reiner Genusswein. Er zeugt von der handwerklichen Kunst der 1970er Jahre und der außergewöhnlichen Konzentrationsfähigkeit des Spätburgunders auf Quarzitböden.

  • Aktueller Wert (Schätzung): Bei gesicherter Provenienz (Direktkauf aus dem Gut oder bekannte Sammlung) liegt der Auktionswert bei etwa 250 bis 500 Euro, je nach Erhaltungszustand der Füllhöhe und Etikette.

  • Empfehlung: Nur öffnen, wenn Sie sich auf einen großen, erdigen und bereits zerfallenden Wein einstellen können, der mehr Tiefgang als Frucht bietet. Bei Zweifeln an der Lagerung lieber als Sammlerstück im Keller belassen. Ein seltener, würdiger Vertreter des deutschen Rotwein-Erbes.

Jahrgang Jahrgang: 1975
Farbe Farbe: weiss
Erzeuger Erzeuger: Staatsweingüter Kloster Eberbach
Land Land: Deutschland
Produktart Produktart: Wein
Weinart Weinart: Weisswein
Region Region: Rheingau
Geschmack Geschmack: süss
Rebsorte Rebsorte: Spätburgunder
Alkohol Alkohol: 10
Füllmenge Füllmenge: 375 ml

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Allergene: Sulfite

Abfüller: Erzeuger