Markgraf von Baden – Bermatinger Leopoldsberg ‚B‘ Spätburgunder GG Großes Gewächs trocken 2016
Kurzprofil
1. Das Weingut und seine Philosophie
Das Weingut Markgraf von Baden ist eines der traditionsreichsten Weingüter Deutschlands und hat seinen Hauptsitz im historischen Schloss Salem
am Bodensee. Die Geschichte der Familie ist eng mit dem Weinbau in
Baden verbunden – bereits seit 1112 prägt das Haus Baden die
Weinwirtschaft der Region maßgeblich. Heute bewirtschaftet das Weingut rund 100 Hektar Rebfläche am Bodensee sowie weitere Flächen in der Ortenau und ist Mitglied im Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP).
Die Philosophie des Hauses, formuliert durch S.K.H. Bernhard Markgraf von Baden, konzentriert sich auf die burgundischen Rebsorten, insbesondere den Spätburgunder. Das Ziel ist es, die einzigartigen Terroirs Badens auf höchstem Niveau erlebbar zu machen: „We
focus on Pinot varieties, which develop singular, clear and elegant
expressions in Baden, on Lake Constance and the Rhine Valley. We are
obliged to make Baden terroir palatable at the highest level.“
Die VDP.Große Lage „Bermatinger Leopoldsberg“ zählt zu den prestigeträchtigsten Lagen des Weinguts. Sie ist geprägt von eiszeitlichen Moränenverwitterungsböden alpiner Herkunft – ein Terroir, das dem Wein seine charakteristische Mineralität, kühle Frucht und feine Eleganz verleiht.
2. Jahrgang 2016 im Rückblick
Der Jahrgang 2016 am Bodensee war von einem gemäßigten, aber wechselhaften Witterungsverlauf
geprägt. Nach einem kühlen Frühjahr folgte ein warmer, sonniger Sommer,
der eine langsame, gleichmäßige Reife der Trauben begünstigte. Kühle
Nächte im Herbst sorgten für den Erhalt der natürlichen Säure und die
Entwicklung komplexer Aromen – ideale Voraussetzungen für einen
eleganten, gut strukturierten Spätburgunder.
3. Verkostungsnotizen
Der Wein wurde von Falstaff mehrfach verkostet und erreichte 91 Punkte, ebenso erhielt er eine hervorragende Bewertung vom Meininger Verlag.
Auge
Leuchtendes, mittleres bis tiefes Rubinrot
mit granatroten Reflexen. Die Farbe ist klar und brillant, verweist auf
eine sorgfältige Verarbeitung und ein noch jugendliches
Entwicklungspotenzial.
Nase
Das Bukett ist fruchtbetont und vielschichtig:
Reife rote Beerenfrucht: Kirsche, Himbeere, Brombeere
Zarte rauchige und würzige Akzente
Feine Anklänge von Blutorange und heller Frucht
Dezente Noten von Zedernholz und Vanille
Die Nase wirkt kühl und fruchtig, mit einem Hauch von getoastetem Holz, ohne jemals aufdringlich zu sein.
Gaumen
Falstaff beschreibt den Gaumen wie folgt (Tasting vom 23.11.2020): „Ein
fein extrahierter, eleganter Spätburgunder mit Lokalkolorit, der mit
eher leise vorgetragenen Argumenten überzeugt – es geht nicht um Wucht,
sondern um Feinheit und Nuancen.“
Das Meininger-Urteil ergänzt: „Am Gaumen sehr direkt, angenehm kühle Frucht und Würze, saftig, elegant, frisch und lang.“
Aus einer früheren Falstaff-Verkostung (23.11.2019): „Schöne
feine Frucht von roten und schwarzen Früchten. Am Gaumen
elegant-leichtfüßig mit straffer Säurestruktur und leichtem Einfluss vom
großem Holzfass. Saftig, elegant, vorsichtig extrahiert, ganz auf
Feinheit gearbeitet. Ein typischer See-Burgunder!“
Abgang
Der Wein präsentiert sich mineralisch, frisch und von guter Länge. Die Säure ist straff, aber eingebunden, die Tannine sind reif, körnig und feinmaschig – ein typischer Vertreter der kühlen, eleganten Stilistik eines Spätburgunders vom Bodensee.
4. Bewertungen im Überblick
Der Wein wird durchweg als elegant, fein extrahiert und typisch für den Bodensee beschrieben. Weder Wucht noch üppige Frucht stehen im Vordergrund, sondern Feinheit, Frische und mineralische Tiefe.
5. Ausbau und Technische Daten
Der Spätburgunder durchlief eine Reifezeit von 18 Monaten in großen, traditionellen Holzfässern („großes Holzfass“). Dieser Ausbau unterstützt die sanfte Integration von Tanninen und Holznoten, ohne die feine Frucht zu überlagern. Der Wein wurde unfiltert abgefüllt, um das volle Aroma- und Texturpotenzial zu bewahren.
Technische Analyse (laut Meininger):
Alkohol: 13,00 % vol.
Restzucker: 1,00 g/l → deutlicher Trockenwein
Gesamtsäure: 5,40 g/l → frische, straffe Struktur
Extrakt: feinmaschig, elegant
Verschluss: Naturkork
6. Lage und Terroir: Bermatinger Leopoldsberg
Die VDP.Große Lage „Bermatinger Leopoldsberg“ liegt auf etwa 400–480 m Höhe über dem Bodensee und gehört zu den ältesten und angesehensten Lagen Badens. Die geologischen Besonderheiten:
Moränenverwitterungsböden alpiner Herkunft – eiszeitlich entstandene, kalk- und mineralstoffreiche Böden, die eine gute Drainage und Wärmespeicherung bieten.
Mikroklima:
Die Nähe zum Bodensee mildert Temperaturschwankungen, sorgt für kühle
Nächte und verlängert die Vegetationsperiode. Dies begünstigt die
Entwicklung von Frische, Eleganz und feiner Säure.
Die Südexposition der Hänge gewährleistet eine optimale Sonneneinstrahlung für die langsame, gleichmäßige Reife der Pinot-Noir-Trauben.
Diese Faktoren verleihen dem Wein sein unverwechselbares Profil: kühle Frucht, feine Würze, lebendige Säure und eine mineralische Tiefe, die ihn von wuchtigeren, wärmeren Spätburgundern (z. B. aus dem Markgräflerland oder der Ortenau) unterscheidet.
7. Trinkempfehlung und Lagerpotenzial
Der Bermatinger Leopoldsberg ‚B‘ Spätburgunder GG 2016 befindet sich aktuell in einem hervorragenden Trinkfenster (ca. 2020–2030). Dank seiner straffen Säurestruktur, den feinen, reifen Tanninen und der guten Extraktfülle besitzt er ein beachtliches Reifepotenzial von mindestens 5–8 Jahren ab Jahrgang.
Optimale Trinktemperatur: 14–18 °C. Bei niedrigeren Temperaturen kommen die feinen Fruchtaromen und die Mineralität besser zur Geltung.
Empfohlene Dekantierzeit: Der Wein profitiert von einer Stunde im Dekanter oder einer vorsichtigen Belüftung, um sich voll zu entfalten.
8. Speisenbegleitung
Aufgrund seiner Frische, Eleganz und feinen Würze harmoniert der Wein hervorragend mit einer Vielzahl von Gerichten:
Geflügel: Entenbrust mit Preiselbeersoße, gebratene Poularde, Fasan
Rotes Fleisch: Kalbsfilet, leicht gegrilltes Rinderfilet, Lammkoteletts mit Kräuterkruste
Wildgerichte: Rehragout mit Wacholderbeeren, Hirschrücken
Käse: Mittelalte bis reife Weich- und Hartkäse (z. B. Chaource, Comté, Appenzeller)
Vegetarische Optionen: Pilzrisotto, gebratene Steinpilze, Trüffelgerichte, gegrilltes Gemüse
Die dezente Holznote und die kühle Frucht machen ihn auch zu einem idealen Begleiter für asiatische Gerichte mit mäßiger Schärfe (z. B. Szechuan-Pfeffer-Huhn) oder für gebratenen Lachs mit Kräuterkruste.
9. Preis und Verfügbarkeit
Der empfohlene Endverbraucherpreis lag bei Einführung bei etwa 45–47 € pro Flasche (0,75 l). Aktuell (Stand 2025/2026) ist der Wein aufgrund der limitierten Verfügbarkeit – es handelt sich um ein Großes Gewächs mit kleiner Erntemenge – nur noch begrenzt im Fachhandel oder über Auktionshäuser erhältlich.
Hinweis:
Die Premium-Linie „Markgraf von Baden“ wurde inzwischen eingestellt,
was die Verfügbarkeit weiter reduziert und den Wein zunehmend zu einem rarer werdenden Sammlerstück macht.
10. Fazit
Der Markgraf von Baden Bermatinger Leopoldsberg ‚B‘ Spätburgunder GG 2016 ist ein herausragendes Beispiel für die elegante, kühle Stilistik eines Spätburgunders vom Bodensee. Er überzeugt nicht durch Wucht oder opulente Frucht, sondern durch Feinheit, Frische und mineralische Tiefe.
Mit 91 Falstaff-Punkten und exzellenten Kritiken zählt er zu den besten deutschen Spätburgundern des Jahrgangs 2016. Für Liebhaber burgundisch inspirierter, terroirgeprägter Pinot Noirs ist dieser Wein eine absolute Empfehlung – zum sofortigen Genuss ebenso geeignet wie für die weitere Lagerung.
Fazit in einem Satz: Ein tänzerisch-eleganter, kühler und mineralischer Spätburgunder vom Bodensee, der seine Stärken in der Balance von Frucht, Säure und feiner Würze ausspielt – ein Wein für Kenner und Genießer, die das Subtile und Differenzierte schätzen.