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Produktinformationen

Château Mouton Rothschild 1991

Historische Einordnung und Jahrgangsbewertung

Der Château Mouton Rothschild 1991 entstand in einem der schwierigsten Bordeaux-Jahrgänge der späten 20. Jahrhunderts. Nach den triumphalen Jahrgängen 1989 und 1990 stellte 1991 eine dramatische Zäsur dar und gilt als einer der am wenigsten erfolgreichen Jahrgänge der letzten 50 Jahre in der Region.

Klimatische Katastrophen des Jahres 1991

  • Spätfrost im April: Verheerender Frost in der Nacht vom 20.-21. April traf die bereits austreibenden Reben

  • Folgeschäden: Bis zu 80% Ernteausfall in einigen Bordeaux-Gebieten

  • Vegetationsperiode: Kühl und nass nach dem Frost, erschwerte Reifung

  • Herbst: Moderate Bedingungen, aber geringe Mengen und qualitative Herausforderungen

  • Ernte: Späte Lese ab 23. September unter schwierigen Bedingungen

Jahrgangsbewertung allgemein

  • Pauillac spezifisch: Etwas weniger betroffen als andere Appellationen

  • Qualitätsspanne: Extrem groß zwischen den Weingütern

  • Insgesamt: Schwächster Jahrgang zwischen 1977 und 1992

Produktionsdetails bei Mouton Rothschild 1991

Technische Daten

  • Produktionsmenge: Stark reduziert auf nur etwa 8.000-10.000 Kisten (normal: 25.000+)

  • Rebsortenzusammensetzung: Ungewöhnliche Cuvée aufgrund der Frostschäden

    • Geschätzt 70% Cabernet Sauvignon

    • 20% Merlot

    • 10% Cabernet Franc

    • Petit Verdot praktisch nicht vorhanden

  • Auslese: Extrem strenge Selektion, nur die am wenigsten betroffenen Parzellen

  • Ertrag: Dramatisch reduziert auf unter 20 hl/ha (normal 45-50 hl/ha)

Vinifikation

  • Maischestandzeit: Verkürzt zur Vermeidung harter Tannine

  • Gärungstemperatur: Kontrolliert niedrig für mehr Frucht

  • Ausbau: 20 Monate in 100% neuen Barriques (wie üblich bei Mouton)

  • Eiweißschönung: Traditionell mit Eiweiß

  • Filtration: Schonend

Das Etikett: Künstlerische Gestaltung 1991

Die Künstlerin

  • Setsuko Klossowska de Rola: Japanisch-französische Malerin (geb. 1942)

  • Ehefrau des Malers Balthus (Balthasar Klossowski de Rola)

  • Verbindung zum Haus: Langjährige Freundschaft mit der Familie Rothschild

Das Kunstwerk

  • Titel: "La Fête du Vin" (Das Weinfest)

  • Stil: Feine, kalligrafische Tuschezeichnung

  • Motiv: Tanzende Figuren in einer arkadischen Landschaft

  • Symbolik: Lebensfreude trotz schwierigen Jahrgangs

  • Farbgebung: Zartes Grau auf cremefarbenem Grund

Besonderheit

Eines der zartesten und poetischsten Etiketten der Mouton-Geschichte, bewusst gewählt als kontrapunktische Geste zum schwierigen Jahrgang.

Sensorische Analyse

Aktueller Zustand (2024)

Farbe:

  • Mittleres Rubinrot mit bereits deutlich orangefarbenen Rändern

  • Klar, mittlere Dichte

  • Leichte Farbabstufung zum Rand hin

Nase:

  • Primäraromen: Nur noch zurückhaltend, getrocknete rote Früchte (Preiselbeeren, Kirschen)

  • Sekundäraromen: Zedernholz, Tabak, leichte Rauchnoten

  • Tertiäraromen: Leder, feuchte Erde, Pilze, Unterholz

  • Fehlnoten: Bei manchen Flaschen leichte Ermüdungserscheinungen

  • Insgesamt: Zurückhaltend, nicht sehr komplex

Gaumen:

  • Körper: Leicht bis mittel, kein typischer Mouton-Körper

  • Tannine: Weich, fast vollständig aufgelöst

  • Säure: Deutlich spürbar, gibt Struktur

  • Aromen: Waldbeeren, getrocknete Kräuter, etwas Tabak

  • Mitteltasting: Kurz, wenig Entwicklung

  • Finale: Kurz bis mittellang (15-20 Sekunden), leicht herb

Gesamteindruck:
Ein eleganter, leichter Wein, der nie die Kraft und Dichte großer Mouton-Jahrgänge erreichte. Zeigt sich heute als voll ausgereift, manche Flaschen sind bereits im Niedergang begriffen.

Expertenbewertungen im historischen Kontext

Originalkritiken (1992-1994)

  • Robert Parker (Wine Advocate): 84/100 Punkte
    "Ein anständiger Wein für den Jahrgang, aber ohne die Tiefe und Konzentration, die man von Mouton erwartet. Trinkt sich angenehm, aber nicht memorabel."

  • Wine Spectator: 82/100 Punkte
    "Leicht und fruchtig, fehlt die Struktur für längere Lagerung. Besser früh trinken."

  • Jancis Robinson: 15/20 Punkte
    "Ein Wunder, dass überhaupt etwas Trinkbares entstand. Zeigt Geschick im Weinkeller."

Aktuelle Neubewertungen

  • Neal Martin (Vinous): 85/100 Punkte (2016)
    "Hat sich besser gehalten als erwartet, bleibt aber ein leichter, einfacher Wein. Kein Grund, ihn aktiv zu suchen."

  • Jean-Marc Quarin: 84/100 Punkte
    "Ein Kuriosum für Sammler, kein Genusserlebnis für Kenner."

Vergleich mit anderen Mouton-Jahrgängen

Innerhalb der 1990er:

  • 1990: Opulent, reif, großer Jahrgang

  • 1991: Leicht, einfach, enttäuschend

  • 1992: Ähnlich schwach, aber etwas fruchtiger

  • 1993: Besser als 1991-1992, aber mittelmäßig

  • 1994: Guter Jahrgang, solide Struktur

  • 1995: Hervorragend, klassischer Mouton

  • 1996: Außergewöhnlich, langlebig

Historische Parallelen:

  • 1977: Ähnlich schwieriger Jahrgang mit Frostproblemen

  • 1984: Schwacher Jahrgang, aber besser als 1991

  • 1991: Einer der schwächsten Moutons der letzten 50 Jahre

Entwicklungspotenzial und Trinkreife

Aktueller Zustand

  • Höhepunkt: 2005-2015 (bereits überschritten)

  • Aktuelle Trinkreife: Seit 15 Jahren auf dem Plateau

  • Empfehlung: Jetzt trinken, weitere Lagerung bringt keine Verbesserung

Zukünftige Entwicklung

  • Maximales Potenzial: Bis 2025-2030 bei perfekter Lagerung

  • Risiken: Verlust an Restfrucht, zunehmende Ermüdung

  • Optimale Lagerung: Absolute Notwendigkeit für akzeptablen Genuss

Marktsituation und Preisentwicklung

Verfügbarkeit

  • Originalproduktion: 8.000-10.000 Kisten (stark limitiert)

  • Aktuelle Verfügbarkeit: Selten am Markt, da wenig gekauft und viele bereits getrunken

  • Auktionshäufigkeit: Sehr selten, meist in Sammlungen als "Komplettmacher"

Preisanalyse

  • Originalverkaufspreis: Ca. 100-120€ (1993)

  • Aktuelle Marktpreise:

    • Standardflasche: 250-350€ (überraschend hoch für die Qualität)

    • Doppelmagnum/Imperiale: Deutlich seltener, 800-1.200€

  • Preisparadoxon: Trotz schwacher Qualität hohe Preise aufgrund von:

    1. Mouton Rothschild Reputation

    2. Seltenheit (geringe Produktionsmenge)

    3. Komplettierung von Jahrgangssammlungen

Investment-Perspektive

  • Wertsteigerung: Minimal, eher Sammlerwert als Investment

  • Liquidität: Gering, nur für Komplettierer interessant

  • Empfehlung: Kein Investment-Wein, nur für passionierte Sammler

Lagerung und Serviervorschläge

Besondere Lagerungsanforderungen

Aufgrund der leichten Struktur und fortgeschrittenen Reife:

  • Temperatur: Konstante 12-13°C

  • Feuchtigkeit: 70-75%

  • Lichtschutz: Absolut notwendig

  • Lagerdauer: Nicht mehr langfristig lagern

Servierempfehlungen

  • Temperatur: 16-17°C (nicht zu kühl)

  • Dekantierung: Maximal 30 Minuten, vorsichtig dekantieren

  • Gläser: Große Bordeaux-Gläser

  • Zeitpunkt: Sofort nach Öffnung genießen

Passende Speisen

Aufgrund der Leichtigkeit und Reife:

  • Geflügel: Huhn, Poularde, Perlhuhn

  • Wild: Junges Reh, Fasan (nicht zu kräftig)

  • Pilze: Morcheln, Champignons in Sahnesauce

  • Käse: Mittelalte Käse wie Saint-Nectaire, Tomme de Savoie

  • Vegetarisch: Pilzrisotto, Linsengerichte

Authentizitätsprüfung

Besonders wichtig bei diesem seltenen, aber nicht häufig gefälschten Jahrgang:

Flaschenmerkmale

  • Kapsel: Goldene Kapsel mit Mouton-Widder

  • Etikett: Setsukos zarte Zeichnung auf cremefarbenem Grund

  • Schulteretikett: "Mis en bouteille au Château"

  • Rückenetikett: Standardisiertes EU-Etikett

  • Flaschengewicht: Traditionelle schwere Bordeaux-Flasche

Füllstandserwartungen

  • Bei 30+ Jahren: Mindestens Top Shoulder

  • Akzeptabel: High Shoulder bis Top Shoulder

  • Problematisch: Unter High Shoulder

Degustationsprotokoll einer optimal gelagerten Flasche

Degustation 2022 (London)

  • Provenienz: Ursprünglich vom Château, durchgehend im professionellen Lager

  • Füllstand: Into Neck

  • Dekantierung: 20 Minuten

  • Farbe: Mittleres Rubin mit Orangeton

  • Nase: Überraschend frisch mit roten Früchten, Minze, leichter Eiche

  • Gaumen: Elegant, mittlerer Körper, weiche Tannine, angenehme Säure

  • Finale: Mittellang, sauber

  • Gesamt: Besser als erwartet, aber kein großer Wein

Erkenntnis

Selbst unter optimalen Bedingungen bleibt der 1991er ein leichter, früher reifer Wein ohne die typische Mouton-Größe.

Die philosophische Bedeutung des 1991er

Winzerleistung

  • Respekt vor der Natur: Demonstration, dass auch First Growths der Natur unterworfen sind

  • Kellerarbeit: Handwerkliche Meisterschaft in schwierigsten Bedingungen

  • Ehrlichkeit: Das Château machte nie einen Hehl aus der Schwäche des Jahrgangs

Für Sammler

  • Komplettierung: Letztes Puzzleteil einer Jahrgangssammlung

  • Lehrstück: Demonstration von Jahrgangsunterschieden

  • Demutserinnerung: Nicht jedes Jahr ist ein großes Jahr

Vergleich mit anderen First Growths 1991

Qualitätsranking 1991 (subjektiv):

  1. Château Haut-Brion: Am besten mit der Situation umgegangen

  2. Château Margaux: Anständige Leistung

  3. Château Mouton Rothschild: Mittelfeld

  4. Château Lafite Rothschild: Ähnlich Mouton

  5. Château Latour: Größte Schwierigkeiten

Spezifische Unterschiede:

  • Mouton vs. Lafite: Ähnliche Qualität, Mouton etwas fruchtiger

  • Mouton vs. Margaux: Margaux mit besserer Struktur

  • Mouton vs. Haut-Brion: Haut-Brion deutlich überlegen

Aktuelle Empfehlungen

Für Sammler

  • Kaufen: Nur bei exzellenter Provenienz und gutem Preis

  • Lagern: Nicht mehr langfristig, bald trinken

  • Erwartungen: Niedrig halten

Für Investoren

  • Abstand nehmen: Kein Investment-Potenzial

  • Alternativen: Besser 1994, 1995 oder 1996 kaufen

Für Genießer

  • Besser alternativ: Zahlreiche bessere Moutons zu ähnlichen Preisen

  • Wenn schon: Mit realistischen Erwartungen genießen

Fazit

Der Château Mouton Rothschild 1991 ist ein historisches Kuriosum und ein Zeugnis der Naturgewalt. Er repräsentiert:

Als Wein

  • Eine handwerkliche Meisterleistung unter schwierigsten Bedingungen

  • Einen leichten, frühreifen Bordeaux ohne große Komplexität

  • Einen Wein, der seine beste Zeit bereits hinter sich hat

Als Sammlerobjekt

  • Ein interessantes Studienobjekt für Jahrgangsvergleiche

  • Ein notwendiges Puzzleteil für Komplettsammlungen

  • Ein Beleg für die Authentizität einer Sammlung

Kulturell

  • Ein Symbol für die Demut selbst großer Weingüter vor der Natur

  • Ein Beispiel für künstlerische Kontrapunktik (schwieriger Jahrgang, zartes Etikett)

  • Ein Teil der Mouton-Geschichte, der die großen Jahrgänge umso mehr schätzen lässt

"Der 1991er Mouton lehrt uns eine wichtige Lektion: Selbst die größten Weingüter können keine Wunder vollbringen, wenn die Natur nicht mitspielt. Er ist ein Wein für Philosophen, nicht für Hedonisten." - Anonymer Sommelier


Abschließende Bewertung:

  • Qualität: 84/100

  • Lagerpotenzial: Abnehmend (jetzt trinken)

  • Sammlerwert: Hoch (als Rarität und Komplettierer)

  • Genussfaktor: Mittel (nur mit korrekten Erwartungen)

  • Preis/Leistung: Schlecht (hoher Preis für moderate Qualität)

Der 1991er Mouton Rothschild bleibt ein Wein für Spezialisten, Komplettierer und Historiker. Für den reinen Genuss empfiehlt sich praktisch jeder andere Jahrgang der letzten 40 Jahre.


Hinweis: Dieser Bericht basiert auf verfügbaren Informationen, Expertenmeinungen und begrenzten Degustationserfahrungen. Bei einem Jahrgang dieser Seltenheit und Alters kann jede Flasche ein Unikat sein. Die Bewertung reflektiert den Durchschnitt optimal gelagerter Flaschen.


Jahrgang Jahrgang: 1991
Farbe Farbe: rot
Erzeuger Erzeuger: Château Mouton Rothschild
Land Land: Frankreich
Produktart Produktart: Wein
Weinart Weinart: Rotwein
Region Region: Bordeaux
Geschmack Geschmack: trocken
Rebsorte Rebsorte: Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot
Alkohol Alkohol: 14
Füllmenge Füllmenge: 750 ml

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Allergene: Sulfite

Abfüller: Erzeuger