Château Haut-Marbuzet St. Estephe 1969
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Füllniveau top shoulder, Kapsel und Etikett gut.
Produktinformationen
Château Haut-Marbuzet, Saint-Estèphe, Cru Bourgeois Exceptionnel 1969, Bordeaux, Frankreich
Einleitung: Der charmante Außenseiter in einem schwierigen Jahr
Château Haut-Marbuzet nimmt im Bordelaiser Gefüge eine besondere Stellung ein. Als Cru Bourgeois Exceptionnel steht es für Qualität, die oft an die Klassifizierten Crus heranreicht, geprägt von einem unverwechselbaren, modernen und opulenten Stil (starke Neue-Holz-Prägung), der bereits in den 1970er und 80er Jahren ungewöhnlich war. Der Jahrgang 1969 war in Bordeaux insgesamt ein schwieriger, kühler und feuchter Jahrgang, der nur in den besten Terroirs mit strenger Selektion gute Weine hervorbrachte. Ein solcher Wein nach über 50 Jahren zu öffnen, ist eine Prüfung für die Langlebigkeit dieses damals unkonventionellen Stils in einem schwachen Jahrgang.
Sensorische Prognose
Die Erwartungen müssen aufgrund des Jahrgangs und des Alters stark moderiert werden. Selbst bei guter Lagerung ist dieser Wein weit über seine intendierte Trinkreife hinaus. Eine intakte Flasche könnte dennoch das charakteristische Markenzeichen des Guts zeigen.
Farbe
Sehr blasses, durchscheinendes Ziegelrot bis Orangeton mit bernsteinfarbenem Rand. Die Farbe ist wahrscheinlich stark verblasst, typisch für das Alter und den möglicherweise leichten Körper des Jahrgangs.
Nase
Das Bukett wird, falls noch intakt, vollständig im tertiären Spektrum liegen. Die berühmte, vanillige Neue-Holz-Note der Jugend ist längst in allgemeine Holzreife übergegangen.
Dominant: Aromen von Zedernholzkiste, alter Tabakblätter, Leder, feuchtem Laub und einer erdig-würzigen Komponente.
Getrocknete Frucht: Ein letzter Hauch von getrockneter Pflaume, Rosinen oder Kirschgelee.
Tertiäre Komplexität: Noten von Trüffel, Unterholz und möglicherweise einer leichten animalischen Note.
Risiko: Die Nase könnte auch von starker Oxidation (müde, sherryartig), Ausdünnung (wenig Aroma) oder unangenehmen Fehlern geprägt sein.
Gaumen
Textur: Erwartet wird eine leichte, seidige, eventuell dünne Textur. Die Tannine sollten vollständig aufgelöst sein.
Säure: Der kritische Faktor. 1969 war kein säurestarker Jahrgang. Ist sie noch spürbar, gibt sie dem Wein etwas Halt. Ist sie erschöpft, wirkt der Wein flach und kurz.
Geschmack: Eine blasse Erinnerung an die Nase: Tabak, Leder, Holz und Erde. Die einstige Frucht und die markante Holzprägung sind verflogen.
Abgang: Wahrscheinlich kurz bis mittellang, mit einem trockenen, holzigen oder leicht bitteren Nachhall. Ein langer, komplexer Abgang wäre eine große Überraschung.
Historische & Stilistische Einordnung
Jahrgang 1969 in Bordeaux
Ein mittelmäßiger bis schwacher Jahrgang, besonders auf der linken Uferseite. Kühles, nasses Wetter führte zu Problemen mit Reife und Fäulnis. Die Weine waren oft leicht, säurebetont (aber nicht immer frisch) und fehlten an Konzentration und Frucht. Nur wenige überdauerten die 1980er Jahre in gutem Zustand.
Château Haut-Marbuzet & sein Stil
Das Weingut revolutionierte in den 1970/80er Jahren mit einem sehr modernen Ansatz für Saint-Estèphe: hoher Anteil an Merlot (für Weichheit), intensive Ausbau in neuen Barriques (für Vanille und Röstaromen), betonte Frucht und Opulenz. Dieser Stil war damals ungewöhnlich und machte den Wein früh zugänglich.
In einem schwachen Jahrgang wie 1969 könnte dieser moderne Ansatz (falls damals schon voll angewendet) möglicherweise mehr Extrakt und Struktur gegeben haben als bei traditionelleren Nachbarn.
Zustandsbewertung & Risikoanalyse
Kritische Zustandskriterien
Jahrgangsschwäche: 1969 war kein Jahr für die Ewigkeit. Die Basis war schwach.
Lagerung: Über 50 Jahre sind eine immense Herausforderung für einen solchen Jahrgang. Perfekte, kühle Lagerung war zwingend.
Füllstand & Kork: Ein niedriger Füllstand ist sehr wahrscheinlich. Der Korken ist eine große Schwachstelle.
Risiko bei Öffnung
Sehr hoch bis extrem hoch. Die Wahrscheinlichkeit, einen überalterten, oxidierten, müden oder fehlerhaften Wein vorzufinden, liegt bei über 95%.
Die Chance auf ein klar definiertes, angenehm reifes Geschmacksprofil ist minimal.
Empfehlungen & Fazit
Empfehlung für den Besitzer
Erwartungen auf Null setzen. Betrachten Sie das Öffnen als archäologische Untersuchung, nicht als Genusserlebnis.
Behandlung bei Öffnung (wenn gewagt):
Flasche lange stehen lassen.
Vorsichtig öffnen und dekantieren (nur zur Sedimenttrennung).
Sofort verkosten. Serviertemperatur: 16°C.
Empfohlene Alternative: Als vollständiges, ungeöffnetes historisches Kuriosum bewahren. Der Wert liegt in der Flasche als Relikt eines schwachen Jahrgangs von einem einflussreichen Weingut – ein Stück Bordeaux-Geschichte.
Abschließendes Fazit
Der Château Haut-Marbuzet 1969 ist ein historisches Lehrstück über die Grenzen der Lagerfähigkeit. Er demonstriert, dass selbst der innovativste und fruchtbetonteste Stil einen schwachen Jahrgang nicht in einen langlebigen Wein verwandeln kann. Diese Flasche ist vor allem ein Beleg für die Vergänglichkeit von Weinen aus schlechten Jahren. Für den Sammler ist sie ein faszinierendes, wenn auch trauriges Exponat der Bordeaux-Chronik. Für den, der sie öffnet, ist sie mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Enttäuschung – und damit eine ebenso wertvolle wie kostspielige Lektion in Demut gegenüber dem Jahrgang.
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Jahrgang: | 1969 |
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Farbe: | rot |
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Erzeuger: | Château Haut-Marbuzet |
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Land: | Frankreich |
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Produktart: | Wein |
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Weinart: | Rotwein |
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Region: | Bordeaux |
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Geschmack: | trocken |
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Rebsorte: | Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot |
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Alkohol: | 14 |
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Füllmenge: | 750 ml |
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Allergene: Sulfite
Abfüller: Erzeuger